Sprache im Theater

Sprechen ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Seine eigenen Fähigkeiten bezüglich Sprache zu verbessern lohnt sich, nicht nur fürs Theater. Denn eine volle, wohlklingende Stimme strahlt Selbstsicherheit und Kompetenz aus, was in allen Lebenslagen nützlich ist. Im Theater ist eine verständliche Aussprache naturgemäß zentral, da das Publikum sonst wenig von der Aufführung hat. Und außerdem bestehen die meisten Stücke vor allem aus Text, die Regieanweisungen halten sich eher in Grenzen.

Der Weg zu einer besseren Sprache ist lang. Es lohnt sich, ein Gehör dafür zu entwickeln, geschulte Sprecher in Radio und Fernsehen sollten ein Vorbild sein. Erst heute habe ich in der Tagesschau intensiv darauf geachtet, wie der Sprecher das r ausspricht, hinten in der Kehle (Norddeutschland) oder vorn an den Zähnen (Süddeutschland, Schweiz, Österreich). Die norddeutsche Variante dominiert, was auch dem gepflegten Bühnen-Deutsch entspricht.

Bühnendeutsch in der Schweiz

In der Schweiz mit einer starken Stellung des Dialekts ist die Frage der Bühnensprache heikel. Die wenigsten Schweizer können akzentfrei Hochdeutsch sprechen, viele Theatergruppen führen deshalb im Dialekt auf. Für Schweizer ist der Weg zum Bühnendeutsch lang und mühsam, genauso mühsam wie für mich der Weg zum akzenfreien Schweizerdeutsch wäre. Es ist fast ein aussichtsloser Kampf, da die gesamte Umgebung Schweizerdeutsch spricht und somit auch das Gefühl für die hochdeutsche Aussprache fehlt. Der einzige Weg ist eine möglichst komplette Immersion ins Hochdeutsche, möglichst jeden Tag die Sprache hören und somit ein Gefühl für die Aussprache und Betonung entwickeln. Außerdem möglichst oft sprechen, bis die Sprache sich natürlich anfühlt. Wie bei einer Fremdsprache.

Übungen für eine bessere Aussprache

Zur deutlicheren Aussprache gibt es zahlreiche Übungen, die man auch bequem zu Hause durchführen kann.

  1. Kerze ausblasen, Abstand immer mehr vergrößern. Das trainiert die Atmung.
  2. Flüstern. Zwingt zur deutlichen Artikulation.
  3. Korken zwischen die Zähne klemmen und einen Text sprechen. Zwingt zur deutlichen Zungenartikulation.
  4. Musikanlage laufen lassen, Text gegen Geräuschkulisse sprechen. Eine Art Ausdauertraining.

Jedoch setzen all diese Übungen ein gewisses Maß an Gefühl für korrekte Aussprache voraus. Wenn Sie größere Probleme haben oder schnellere Fortschritte machen möchten, empfiehlt sich der Besuch beim Logopäden oder Gesangsunterricht.

Tiefere Studien der Lautbildung

Wer richtig tief einsteigen will, muss die Bildung jedes einzelnen Buchstabens verstehen. Jeder Buchstabe bedingt eine ganz bestimmte Stellung der Zunge, der Lippen und des Kehlkopfes, von einigen Buchstaben gibt es auch Varianten. Ein Standardwerk in dieser Richtung ist Der kleine Hey – Die Kunst des Sprechens. Die erste Version des Buches war für den Gesangsunterricht bestimmt und entstand um 1900. Ich fand das Buch gut aufgebaut, jedoch würden Abbildungen das Verständnis erleichtern. Ein Podcast zum Thema Stimme ist Abenteuer Stimme, die allerersten Sendungen beschäftigen sich mit grundlegenden Themen wie Atmung und Körperspannung.

Sich selbst hören

Am allerbesten ist eine Aufnahme der eigenen Stimme, dann hört man mal, wie man wirklich spricht. Für die meisten Leute ist die erste Begegnung mit der eigenen Stimme ein Schock, da man sie von innen ganz anders wahrnimmt. Es braucht ein bisschen Zeit, sich daran zu gewöhnen, so wie man sich an einen neuen Menschen und seine Stimme erst gewöhnen muss.