Paul Claudel – Der Tausch

Theater lebt von Handlung. Es ist die Aufgabe des Regisseurs, aus dem Stücktext die Handlung herauszulesen und den Schauspielern als Hilfe anzubieten. Was ich heute gesehen habe, war das genaue Gegenteil. Der Regisseur hat alle Handlung verbannt und die Schauspieler mit dem Text allein gelassen. Das Stück begann mit Ausschnitten aus dem Text, fast wie eine Ouvertüre wurden Themen angerissen, von verschiedenen Schauspielern. Es waren vier, zwei Männer und zwei Frauen, die dadurch wie austauschbar wirkten. Das war wohl auch die Absicht. Oder es liegt daran, dass der Regisseur vorher Opern gemacht hat. Bei Opern kommt es auf die Arien an, Handlung und Authentizität spielen eine untergeordnete Rolle.

Irgendwann gab es aber doch so etwas Ähnliches wie Handlung. Thomas Pollock Nageoire, der reiche Geschäftsmann, bietet Louis Laine, dem armen Schlucker, Geld an, wirft es ihm zu. Dieser entfremdet sich von seiner braven Frau Marthe (von Klara Manzel im knappen schwarzen Kleid fast schon zu fesch gespielt), verlässt sie für Lechy, die Künstlerin. Konflikt, Marthe pocht auf die Ehe, so sah das wohl auch der Autor damals 1893, es zieht sich. Schön gespielt, aber es zieht sich. Keine Handlung, nur Worte.

Die Bühne ist breit, oben eine Holzdecke, hinten durchgehende Holzstufen, es sieht karg aus. Immer sind alle vier auf der Bühne, von Anfang an, dem Publikum ausgeliefert. Es gibt aber genug Platz, gelegentlich sitzt dann einer am Rand und kann sich ein bisschen entspannen.

Insgesamt kam es mir vor wie ein Übungsstück für Schauspielschüler, mit erschwerten Bedingungen, so dass es nur an ihnen hängt. Keine Hilfe, kein Verstecken, ein ständiges Ausgeliefertsein.