Nokan – Die Kunst des Ausklangs

Das kürzeste Einstellungsgespräch, das man sich vorstellen kann: “Wollen Sie auch richtig mit anpacken?” – “Klar.” – “Gut, Sie haben den Job.”

Es ist ein spezieller Job, ein geächteter, auf den sich der junge Protagonist da einlässt. Er bereitet kürzlich Verstorbene auf die letzte Reise vor, nach einem uralten japanischen Ritual. Der Leichnam wird gewaschen, erhält ein schönes Gewand und wird zuletzt noch geschminkt. Das alles geschieht mit langsamen, abgemessenen Bewegungen, während die Trauernden zuschauen. Es ist ein wichtiger Moment, der meist sehr emotional für alle Beteiligten ist. Der Film zeigt die verschiedenen Ausprägungen, von ausbrechenden familiären Konflikten zu liebevollen Abschiedsszenen — es ist alles dabei. Deshalb stellt sich die Frage, warum dieser zutiefst menschliche Beruf so geächtet ist.

Der japanische Film Nokan – Die Kunst des Ausklangs nähert sich dem Thema Sterben auf sensible und zugleich humoristische Weise und ehrt einen verachteten und doch sehr notwendigen Beruf. Der Film hat auch ein paar Schwächen, am Ende ist er zu kitschig, als der Protagonist sich auch noch mit seinem verstorbenen Vater versöhnt und aus seinen Händen jenen kleinen Stein löst, den er ihm einst am Fluss gegeben hat. Aber die Idee und Umsetzung sind einfach genial und ich kann den Film sehr empfehlen.

Das Bedürfnis, würdevoll Abschied zu nehmen, ist überall gleich, nur der Rahmen unterscheidet sich. Bei der Beisetzung meines Großvaters saßen wir uns in einem Friedhofshäuschen gegenüber. Ein trauriges Lied wurde gespielt, als wir den Raum betraten. In der Mitte des kargen Raums lagen auf einer Platte unsere Blumen, etwas erhöht stand die schwarze Urne. Ein altes Bild von ihm in Uniform schaute uns an und weckte Erinnerungen. Eine Frau sprach zu uns, erzählte von seinem langen Leben. Ein Mensch, ein Leben, und vor uns ein Häufchen Asche in einer schwarzen Urne. Die Tränen kamen wie von selbst. Für ihn als Atheisten gibt es keinen Trost auf ein Leben im Jenseits, das einzige Weiterleben ist das in unserer Erinnerung. Die Moldau von Bedřich Smetana, ein Fluss bahnt sich seinen Weg und mündet schließlich ins Meer. Danach haben wir die Urne auf ihrem letzten Weg begleitet, sie wurde ins Grab abgesenkt, jeder konnte etwas Sand streuen und die Blumen ablegen, dann war die kurze Zeremonie beendet. Und am Abend lief wieder die Bundesliga – der Alltag kam schnell zurück.

Ich will definitiv andere Musik zu meiner Beerdigung, hier mal eine Auswahl.

  1. Pink Floyd – Shine On You Crazy Diamond (Part One)
  2. Norah Jones – The Long Day Is Over
  3. Keith Jarret – Ritooria
  4. Queen – The Show Must Go On

Und eigentlich will ich auch eine andere Stimmung: Trauert nicht um den Verlust, sondern feiert ein zu Ende gegangenes Leben!