Karl-Heinz Wellner (6.1.1920 – 1.11.2009)

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Du hattest ein langes Leben.
Geboren in der Weimarer Republik, 
Angelockt vom Nationalsozialismus,
In russischer Kriegsgefangenschaft,
Fandest du deine Lebensaufgabe im Sozialismus, 
Der gerechtesten Sache der Welt. 
Und wurdest hineingeworfen in eine neue Zeit,
Du bliebst deiner Linie treu. 

Du hast gern gelacht, hattest Sinn für Humor.
Außer bei der Politik, da hörte der Spaß auf.
Deutschland am Hindukusch verteidigen, 
Das hat dich aufgeregt.

Als Jagdpilot warst du mit deiner Messerschmitt
Eine tödliche Gefahr für die Spitfires und Hurricanes.
Du kamst an die Ostfront im Norden von Finnland,
Ein nächtlicher Angriff - die Ersatzmaschine
Wurde dir zum Verhängnis.

Notlandung, knapp mit dem Leben davongekommen,
Wolltest dich durchschlagen zu den Deutschen.
Ein Trupp Sowjets nahm dich gefangen,
Auch das Menschen.

Gefangenschaft, sie änderte alles.
Harte Arbeit, zwei Scheiben Brot pro Tag,
Mehr als die Leute ringsum,
Um dich starben die Leute an Durchfall,
Du hieltest durch, arrangiertest dich,
Verdientest Zigaretten mit Schach,
Lerntest ein bisschen Russisch.

Zurück in ein neues Deutschland,
Von dessen Boden nie wieder Krieg ausgehen sollte.
An einem FDJ-Tanzabend trafst du diese Frau,
Der Beginn von 60 Jahren Ehe.
Du studiertest mit 40 Politik,
Schriebst über die Strategie des Kapitalismus
Deine Diplomarbeit mit der Schreibmaschine.
Polit-Offizier an verschiedenen Orten, 
Du warst zu geradlinig für einen hohen Posten,
So blieb es beim Oberst.

Als Jäger wurdest du zum Schrecken der Tiere,
Hirsche, Rehe, Böcke, Keiler, Bachen, Hasen, Füchse
Zitterten vor dir. 
Die Trophäen schmückten ein Zimmer.
Im Pöllwitzer Wald warst du zu Hause, 
Hast Leitern gebaut und Pilze gesammelt.
Im Wald bist du begraben.

Ruhe in Frieden.