Nikolaj Gogol – Der Revisor

So muss Theater sein – unterhaltsam, mit Tiefgang, aktuellen Anspielungen und wunderbar ausgearbeiteten Rollen. Das groteske Stück von Gogol zeigt eine korrupte Kleinstadt, die jäh durch die Ankunft eines vermeintlichen Revisors aufgescheucht wird. Aus Angst vor der Aufdeckung der offensichtlichen Missstände hofiert man den Ankömmling, dem seine Rolle als wichtiger Besucher schon bald zu Kopf steigt. Am Ende stellt sich heraus, dass er gar nicht der gefürchtete hohe Beamte war, das Spiel beginnt von Neuem.

Was mit als Nicht-Muttersprachler etwas schwer fiel, war das Verstehen des großzügig eingesetzten Dialekts. Es war passend, holte es das Stück doch so aus dem fernen Russland direkt nach Zürich. Und dem fernen Gast gegenüber sprach man natürlich Schriftdeutsch.

Aber der besondere Reiz des Stückes lag an den markant gestalteten Rollen. Eine Rolle war von zwei identisch gekleideten “Zwillingen” grandios umgesetzt, sie unterbrachen sich, redeten weiter, füllten Gedächtnislücken des anderen — wie zwei Köpfe auf demselben Körper. Aber im Grunde konnte man bei allen Rollen gut zuschauen. Einfach eine tolle Inszenierung.