Gefährliche Liebschaften (de Laclos)

Die Theatergruppe akitiv produziert aktuell das Stück Gefährliche Liebschaften von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos. Es war der Favorit unseres Regisseurs. Die Grundlage der Bühnenfassung ist der Briefroman “Les Liaisons Dangereuses” aus dem Jahr 1782.

Bei der ersten Lesung mit verteilten Rollen war mein Eindruck eher negativ. Dargestellt werden Angehörige des Adels, die sich primär mit dem Verführen des anderen Geschlechts befassen. Es geht um eine Wette zwischen der Marquise de Merteuil und dem Vicomte de Valmont. Letzterer soll die junge Celine de Volanges und die Präsidentin de Tourvel verführen, dann winkt ihm eine Nacht mit der Marquise. Im Laufe des Stücks gelingt ihm auch beides, wobei er durch die emsig Briefe schreibende Marquise unterstützt wird. Jedoch kommt es nicht zur Einlösung der Wettschuld, die Marquise wirft ihm vor, er wäre in die Präsidentin verliebt. Auch sein sofortiges Beenden der Beziehung überzeugt die Marquise nicht, sie beharrt darauf, dass die Präsidenten den Vicomte bezwungen hätte. Das ist die Schlüsselszene des Stücks, das Psycho-Duell zwischen den beiden Hauptrollen, welches nur Verlierer kennt. Kurz darauf sterben die meisten Personen eines unnatürlichen, plötzlichen Todes.

Der Briefroman erschien kurz vor der Französischen Revolution und zeigte die Verkommenheit des Adels und prophezeite die blutigen Wirren der Revolution. Der Reiz des Stückes liegt in der Psychologie der Rollen. Vor allem die beiden Hauptakteure sind schwierig auszuloten und eine große Herausforderung für die Darsteller. Die Nebenrollen der jungen unschuldigen Celine, des ständig in Tränen ausbrechenden Chevaliers de Danceny, des Erzählers und weitere dienen eher der Auflockerung und sind entsprechend einseitig angelegt.

Ich habe mich in diesen Rollen jedenfalls kein bisschen gefunden, es sind allesamt Personen, um die ich im wahren Leben einen großen Bogen machen würde. Es sind alles Egomanen ohne die geringste Spur Idealismus oder Verantwortungsgefühl. Die Verführungsszenen nehmen einen großen Raum ein, diese mit Laiendarstellern glaubhaft umzusetzen, ist eine immense Herausforderung. Jedenfalls fragte ich mich, warum wir ausgerechnet dieses Stück auf die Bühne bringen und was wir der Welt damit sagen wollen. Und ganz ehrlich — ich konnte diese Frage für mich persönlich nicht zufriedenstellend beantworten.

Eine Inszenierung des Stücks hat Brunos Talent Truppe im Maiers auf die Beine gestellt. Unser Fazit war eher negativ, es war an vielen Stellen nicht glaubhaft gespielt und ins Groteske verzerrt. Es fehlte das feine psychologische Spiel, welches unser Regisseur hoffentlich besser hinkriegt.