Kleine Helferlein beim wissenschaftlichen Schreiben mit LaTeX

Ein­lei­tung

Das Text­satz­sys­tem LaTeX eig­net sich her­vor­ra­gend für wis­sen­schaft­li­ches Schrei­ben. Aber wel­che Kom­po­nen­ten braucht man genau? In die­sem Arti­kel möchte ich beschrei­ben, wie man auf einem Ubuntu-​​Linux–Sys­tem die not­wen­di­gen Pro­gramme und Pakete instal­liert, um seine Publi­ka­tio­nen bequem schrei­ben zu kön­nen. Windows-​​Nutzer kön­nen die Schritte genau so aus­füh­ren, müs­sen aber an eini­gen Stel­len abwei­chend vorgehen.

Anfor­de­run­gen, Voraussetzungen

  1. Ich möchte VIM als Edi­tor benutzen.
  2. Das Resul­tat soll eine PDF-​​Datei sein.
  3. Nach Ände­run­gen am Manu­skript sol­len alle not­wen­di­gen Ver­ar­bei­tungs­schritte (latex, bib­tex) auto­ma­tisch durch eine Aktion (Maus­klick oder Ein­gabe) erfolgen.
  4. Ich möchte nach dem APA-​​Stil zitie­ren. Das ist von der Zeit­schrift mei­ner Wahl so vorgeschrieben.

Text­edi­tor VIM

VIM ist ein sehr mäch­ti­ges Werk­zeug zum Bear­bei­ten von Tex­ten. Auf den meis­ten Linux-​​Systemen ist die­ses Pro­gramm bereits instal­liert. Zur bes­se­ren Inte­gra­tion von LaTeX-​​Dokumenten gibt es die VIM-​​LateX-​​Suite.

<br /> any_directory$ sudo apt-get install vim<br />

Die LaTeX-Suite sollte man lieber von Hand im Home-Verzeichnis installieren, auf der Homepage gibt es eine Anleitung.

latexmk

Das Perl-​​Script latexmk ist äußerst prak­tisch, um alle not­wen­di­gen Ver­ar­bei­tungs­schritte auto­ma­tisch aus­zu­füh­ren. Es ermit­telt die Abhän­gig­kei­ten (ein­ge­schlos­sene Bil­der, Biblio­gra­fie), prüft den Sta­tus aller Dateien im Pro­jekt und führt dann genau die Schritte aus, wel­che not­wen­dig sind. Wenn man das nicht hat, muss man sehr häu­fig die Ein­zel­schritte (die Pro­gramme latex und bib­tex) aus­füh­ren, um bei Ände­run­gen im Doku­ment ein wirk­lich aktu­el­les PDF zu erhalten.

Instal­lie­ren muss man Perl (wenn es noch nicht vor­han­den ist) und das Skript selbst. Windows-​​Nutzer soll­ten Active Perl instal­lie­ren.

<br /> any_directory$ sudo apt-get install perl<br /> any_directory$ sudo apt-get install latexmk<br />

Die Anwen­dung von latexmk sieht dann für PDFs so aus:

<br /> project_directory$ latexmk -pdf dokument.tex<br />

bibla­tex

Obwohl es zur Zeit noch nicht für die All­ge­mein­heit ver­öf­fent­licht ist (beta-​​Stadium), hat mir die Mäch­tig­keit des Pakets bibla­tex so impo­niert, dass ich es für meine Refe­ren­zen gern ver­wende. Ursprüng­lich brauchte ich eine sau­bere Lösung für nach Kapi­teln auf­ge­teilte Refe­ren­zen in mei­ner Dis­ser­ta­ti­ons­schrift, aber bibla­tex kann weit mehr und macht den Umgang mit Refe­ren­zen viel ein­fa­cher als vor­her. Denn bis­lang musste man aus einer unüber­schau­ba­ren Viel­falt von Pake­ten aus­wäh­len, wenn man mit dem Mini­mal­stan­dard von Bib­TeX nicht zufrie­den war. Nun braucht man also nur noch ein Paket — bibla­tex.

<br /> any_directory$ sudo apt-get install biblatex<br />

Im Gegen­satz zum nor­ma­len Zitie­ren muss man sich an ein paar neue Befehle gewöh­nen. Ein indi­rek­tes Zitat in Klam­mern, wel­ches bei uns Inge­nieu­ren das häu­figste ist, erhält man mit \parencite{key}. Der Befehl \print­bi­blio­gra­phy erstellt genau an die­ser Stelle ein Refe­renz­ver­zeich­nis (Biblio­gra­phie) mit allen zitier­ten Quel­len. Das Aus­se­hen der Biblio­gra­phie und der Zitate im Text rich­tet sich nach dem Zitier­stil, den man beim Laden des Pake­tes mit ange­ben kann.

<br /> \usepackage[style=apa]{biblatex}<br /> \bibliography{bibfile_name}<br />

Den APA-​​Zitierstil kann man lei­der nur manu­ell instal­lie­ren (siehe Doku­men­ta­tion). Danach muss man aber noch die LaTeX-​​Installation aktua­li­sie­ren.

<br /> any_directory$ sudo texconfig rehash<br />

Ein Pro­blem war dann noch, dass das csquotes-​​Paket ver­al­tet war. Auch da musste ich manu­ell die Dateien an die rich­tige Stelle kopie­ren und mit tex­con­fig rehash die LaTeX-​​Installation aktualisieren.

Fazit

Etwas Auf­wand ist das schon, dafür steht mir jetzt wie­der ein kom­plet­tes Sys­tem zur Ver­fü­gung, mit dem ich an mei­ner drit­ten Publi­ka­tion fei­len kann.