Bergtour im Bernina-Gebiet

Für fünf Tage tauschte ich die Annehmlichkeiten des Stadtlebens gegen karge Berglandschaften, fernab von jeglichen Kommunikationsmitteln. Es war eine sehr fordernde, aber auch extrem lohnende Tour im Bernina-Gebiet.

  1. Ausbildung am Piz Trovat (3146 m), Übernachtung Berghotel Diavolezza (2973 m)
  2. Pers- und Mortaratschgletscher, Übernachtung Boval-Hütte (2495 m)
  3. Piz Mortaratsch (3751 m), Tschierva-Hütte (2584 m)
  4. Eis- und Felsausbildung, Coaz-Hütte (2610 m)
  5. Passüberschreitung Fourcla Fex-Roseg (3068 m), Furtschella-Station, Heimreise

Auf dem Gletscher

Völlig neu für mich war das Begehen von Gletschern und der Umgang mit Steigeisen, Pickel und verkürztem Seil. Die Gefahr beim Gehen auf dem Eis ist das Hinunterfallen in eine Gletscherspalte. Besonders bei Neuschnee können Spalten bedeckt und damit unsichtbar sein. Deshalb geht man an einem Seil, je nach Schwierigkeit des Geländes mindestens in Zweier-Seilschaften. Wir hatten dafür ein 50 m-Halbseil, wobei sich der Vorderste und Hinterste einen Teil des Seils in Schlaufen um den Körper legen. Somit verbleiben zwischen den beiden Alpinisten noch 5-10 m Seil. Zu zweit empfiehlt sich noch das Anbringen von Knoten, welche den Sturz in eine Spalte bremsen können, da sich das Seil in diesem Fall ins Eis einschneidet.

Steigeisen sind essenziell zum Begehen von Gletschern, sobald diese geneigt oder vereist sind. Bis zu zwölf Zacken bohren sich in den Untergrund. Ich fand es erstaunlich, welche Hangneigung man mit etwas Übung bewältigen kann, 45° sind kein Problem. Wichtig ist jedoch, dass immer möglichst alle Zacken im Eis sind, seitliches Verkanten ist gefährlich. Die Voraussetzung für das sichere Montieren von Steigeisen ist, dass die verwendeten Bergschuhe steigeisenfest sind, also möglichst robust und mit steifer Sohle. Um sich selbst nicht zu verletzen, läuft man breitbeinig in Cowboy-Manier.

Der massive orange-griffige ASVZ-Eispickel war im steilen Gelände unser steter Begleiter. Man kann sich mit dem spitzen Stielende (Spitz) abstützen, an der Schaufel anfassen und mit Haue und Spitz einen zuverlässigen Griff haben oder sich einen Stand pickeln.

Jedenfalls war es eine faszinierende neue Welt, in die wir mit einem erfahrenen Bergführer (Stefan Felix, sehr zu empfehlen) vorgestoßen sind.