Wie ich meine Bilder archiviere

Wenn du ein Hobbyfotograf mit digitaler Kamera bist, kennst du das Problem — im Laufe der Zeit stapeln sich Hunderte Aufnahmen auf der Festplatte, der Überblick geht verloren und ein einziger Festplatten-Crash kann alle Arbeit zunichte machen. Bei mir ist jetzt nach vier Jahren mit geschätzten 10.000 Fotos der Moment gekommen, in dem ich mich dem Thema Archivierung systematisch widmen möchte.

Festplatte, DVDs oder Cloud?

Im Gegensatz zu den analogen Formaten Dia und Negativ können Festplatten oder DVDs Daten nicht wirklich lange aufbewahren. Das wichtigste Prinzip ist also Redundanz, speichere deine Bilder nicht nur einmal, sondern auf mehreren Speichermedien. Nur so kannst du den Verlust wertvoller Daten wirklich garantieren.

Ich verwende mir als primäre Archivlösung eine externe Festplatte, die im RAID1-Modus arbeitet. Es sind also eigentlich zwei Festplatten, die genau die gleichen Daten enthalten. Wenn nun eins der beiden Laufwerke ausfallen sollte, sind die Daten immer noch auf dem anderen verfügbar. Und diese externe Festplatte steht nun nicht immer neben dem Rechner, wo sie durch versehentliche Fußtritte, Staub oder Temperaturschwankungen Schaden nehmen kann, sondern im Originalkarton verpackt in der Abstellkammer. Je nach Bedarf hole ich sie dann heraus und synchronisiere den Bilder-Ordner.

In DVDs habe ich nicht so das Vertrauen, jedoch wäre das eigentlich auch mal eine Maßnahme. Denn bei einem Wohnungsbrand wären wohl Rechner und externe Festplatte futsch und alle Daten verloren. Dann sind bei Verwandten, Freunden oder auf Arbeit deponierte Archiv-DVDs die einzige Variante.

Eine relativ neue Variante fürs Archivieren ist Online-Speicher. In kleinen Mengen ist dieser auch kostenlos zu beziehen, aber Bilddaten nehmen leicht mehrere Gigabyte ein, so dass bei der Mehrzahl der Anbieter saftige Gebühren anfallen. Ich habe mich bei Wuala angemeldet, was momentan aber noch im Beta-Stadium ist. Da hat man 1 GB kostenlosen Online-Speicher und die Wahl zwischen dem Kauf von zusätzlichem Speicher oder dem Tausch von eigenen Festplattenplatz gegen Online-Speicher. Da alle Daten verschlüsselt sind, kann man natürlich nicht schauen, was die anderen denn da so archivieren. Bei genügend eigenem Festplattenplatz erhält man so kostenlos den ausfallsicheren Online-Speicher.

Schon seit längerer Zeit bin ich bei flickr. Im Gegensatz zu Wuala kann man hier aber ausschließlich Bilder in bekannten Formaten hochladen, Rohdaten lassen sich da nicht formatieren. Aber in Bezug auf soziale Interaktion (Kommentieren von Bildern, Bewerten) ist flickr überlegen. Am Beginn wollte ich möglichst alle Fotos teilen, im Geist eines offenen Austausches. Jedoch bin ich über die Jahre selektiver geworden und stelle nur noch ausgewählte Bilder bei flickr rein, insbesondere dann, wenn ich sie in mein Weblog einbinden möchte.

Bildformate für die Archivierung

Ein anderes technisches Kapitel ist das der Bilddateiformate. Kriterien für die Beurteilung der zahlreichen existierenden Formate sind Qualitätsverluste durch Komprimierungsalgorithmen (z.B. beim JPG-Format) und ob sich Metadaten im XMP-, EXIF- und IPTC-Format einbetten lassen. Diese Formate erlauben die Erfassung zusätzlicher Informationen, also Fotograf, Kamera-Modell, Ort, Beschreibung, Stichworte, Bewertung, etc. Sehr wichtig für das Wiederfinden von Fotos ist die Vergabe von Stichworten (Tags). Diese beherrschen so ziemlich alle Bildverwaltungsprogramme, aber austauschbar sind die Bilder nur, wenn die Daten in der Bilddatei direkt gespeichert werden.

Das JPG-Format ist nach wie vor das mit der weitesten Verbreitung, da es sehr kleine Dateigrößen ermöglicht. Diese Komprimierung ist jedoch mit einem Qualitätsverlust verbunden. Je nach Einstellung der Qualität können Artefakte auftreten. In Bezug auf die Einbettung von Metadaten ist JPG sehr offen, alle Formate können eingebettet werden. Das PNG-Format, welches keinen Qualitätsverlust verursacht, ist genau an diesem Punkt schlechter, lediglich Daten im XMP-Format lassen sich einbetten.

Profis werden ihre Daten im Rohformat sichern wollen, nur so ist die volle Qualität gewährleistet. Dafür sind die Dateien dann auch entsprechend größer. Außerdem halten sich die Kamerahersteller bedeckt, was die genaue Definition der Formate angeht, weshalb andere Anbieter meist keine Veränderungen an der Bilddatei direkt vornehmen, sondern lieber noch eine gleichnamige XMP-Datei erzeugen, welche alle Daten enthält. Als neuer Quasi-Standard gibt es das DNG-Format für Rohdaten, jedoch ist auch da nicht sichergestellt, ob die proprietären Formate nicht doch gewisse Extra-Informationen beinhalten, die dann verloren gehen könnten.

Ich persönlich fände es mühsam, meine Bilder in verschiedenen Formaten zu speichern. Ich verwende JPG mit maximaler Qualität und nur in Ausnahmefällen hebe ich die Rohdaten auf.

Workflow

Ich fotografiere mit meiner Nikon D200 meist im Rohformat. Nach dem Überspielen auf den heimischen PC benutze ich das Programm Adobe Bridge CS4 für das Sichten, Aussortieren, Bewerten und Taggen. Der wichtigste erste Schritt ist das Aussortieren der schlechten Bilder. Dadurch erspart man sich einen Haufen Arbeit, da sich die Anzahl schon mal deutlich reduziert. Wenn ich Zeit habe, vergebe ich Sternchen und Stichwörter. Insbesondere die Personen versuche ich immer mit Stichwörtern festzuhalten, schon einige Male brauchte ich Bilder einer bestimmten Person. Und das lässt sich mit einer einfachen Suche nach dem entsprechenden Stichwort recht elegant erledigen.

Danach öffne ich alle Bilder eines Shootings mit Adobe Camera Raw und korrigiere ein wenig an Belichtung, Dynamik und Schärfe. Wenn eine Reihe Bilder unter ähnlichen Bedingungen entstand, lohnt es sich, sie gemeinsam zu bearbeiten. Anschließend folgt noch das Zurechtschneiden und -drehen, leider meist für jedes Bild einzeln. Dann speichere ich alle Bilder als JPG und lösche die sperrigen Originaldaten. Fertig.

Referenzen

Anregung für meine Beschäftigung mit dem Thema Archivierung war das c’t Sonderheft Digitale Fotografie.