Piz Trovat, La Lesgia und Timetrack Muntatsch

Anderthalb Tage Engadin – da geht was in Sachen Bergsport! Zusammen mit meiner Gastgeberin bezwang ich zwei Klettersteige und den berüchtigten Timetrack Muntatsch. Es waren schöne Ausflüge, die ich gern noch einmal Revue passieren lassen möchte.

Klettersteig “Piz Trovat”

Wer ohne große Mühe einen 3000er bezwingen möchte, ist mit dem Piz Trovat (3146 m) gut beraten. Von der mit Seilbahn erreichbaren Diavolezza-Hütte knapp unter 3000 m ist es nicht mehr weit. Mit der entsprechenden Ausrüstung kann man leicht den Klettersteig bezwingen. Das Schwierigste ist der Zugang, welcher auf einem weißblauen Bergwanderweg erfolgt. Die Landschaft ist karg da oben, auf dieser Höhe wächst so gut wie nichts mehr. Dafür gibt es während der ganzen Tour wunderschöne Ausblicke auf den Gletscher.

Über dem Gletscher

Über dem Gletscher

Klettersteig “La Resgia”

Dieser Klettersteig in der Nähe von Pontresina ist sportlich deutlich anspruchsvoller als der auf den Piz Trovat. Es gibt eine leicht überhängende Wand, in der man einmal umsichern muss. Das erfordert ein bisschen Armkraft und Durchhaltewillen. Empfehlenswert ist außerdem eine separate Selbstsicherung mit großem Karabiner und Bandschlinge, damit kann man an dieser Stelle die Arme entlasten und bequem die Klettersteig-Sicherung umhängen. Ansonsten muss man sich an einem Arm halten. Abgesehen von dieser sportlichen Herausforderung ist die Route abwechslungsreich und durch die Bäume und den herabstürzenden Bach äußerst reizvoll.

Sonnenbad

Sonnenbad

Timetrack Muntatsch

Die Engadiner sind ein bergsportverrücktes Völkchen. Nur so lässt sich die Existenz des Timetrack Muntatsch bei Samedan erklären, einer stetig ansteigenden Zeitmessstrecke mit genau 3.4 km Länge und 414 zu überwindenden Höhenmetern. Das entspricht einem durchschnittlichen Anstieg von 12%. Im Internet kann man seine Zeit dann mit der von anderen vergleichen, in den Kategorien Mountain-Bike, Nordic-Walking und Joggen. Andererseits ist es auch eine geniale Geschäftsidee, um den Getränkeabsatz der Muntatsch-Hütte durch garantiert durstige Kehlen anzukurbeln.

Wir entschieden uns fürs Bike. In der Nähe eines Schießplatzes befand sich die Talstation, mit roter Farbe wurde auf eine Karte die aktuelle Zeit aufgestempelt. Dann ging es los, steil bergauf wand sich ein gut gepflegter Waldweg. Ständig hallten Schüsse durchs Tal, ein beängstigendes Gefühl. Nach ein paar Minuten lief mit der Schweiß, mein Herz raste und mein Blick verengte sich auf die nächsten paar Meter. Immer weiter, nur nicht absteigen oder gar aufgeben! Schon der erste Kilometer zog sich ungemein, dann sah ich die motivierende 2 km-Tafel. Ich war fast immer im kleinsten Gang, nur manchmal schaltete ich hinten auf das zweitgrößte Rädchen. Ich auf meinem ausgeborgten Bike gegen die Schwerkraft, zum Glück spendeten die Bäume meist Schatten. Nach endlos langer Zeit erreiche ich schließlich die Bergstation, stempele sofort meine Karte, diesmal mit fast nicht mehr erkennbarer schwarzer Stempelfarbe. Es sind etwas mehr als 30 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6.6 km/h entspricht. Zehn Minuten später taucht dann auch meine Gastgeberin auf und wir genießen die schöne Aussicht.

Auf der Webseite ist unsere fulminante Fahrt für die Nachwelt gespeichert, bislang belege ich bei den Herren den dritten Rang diese Woche, noch dazu als einziger Zürcher unter lauter Lokalmatadoren. Die absolut krasse Bestzeit von 16:47:00 hat kein Geringerer als Lukas Buchli aufgestellt, der amtierende Schweizermeister im Mountain-Bike.