Joseph Roth – Hiob

Schwere Kost ist dieser Stoff schon – der jüdische Lehrer Mendel Singer verliert im Laufe der Geschichte so ziemlich alles, seine beiden älteren Söhne fallen im Krieg, seine Frau nimmt sich das Leben, die Tochter wird wahnsinnig. Genau wie das alttestamentarische Vorbild Hiob verflucht er schließlich Gott und will nur noch sterben. Doch das unerwartete Gesunden seines jüngsten Sohnes ganz am Ende stimmt ihn versöhnlich, er schläft ein.

Die Inszenierung im Theater Neumarkt hat mir extrem gut gefallen, vor allem die ruhigeren Passagen, die verzweifelten, ohnmächtigen Momente haben mich sehr bewegt. Das einfache Bühnenbild, die klar gestalteten Kostüme, die Darsteller — es war Theater, wie ich es mir idealerweise vorstelle. Lediglich einige übertriebene Passagen mit Schreien und viel Lärm trübten das vollendete Bild.

Ganz herausragend war die Darstellung des jüngsten Sohnes, der anfangs an epeleptischen Anfällen leidet und nur ein undeutlich artikuliertes “Mama” herausbringt. Mit ihm begann das Stück, er stand da, schwankte hin und her und fiel auf eine Matte, mit seiner Geburt stürzte die Familie gleichsam ins Unglück. Dann saß er mit irgendwie verrenkten Gliedern und unbewegtem Gesicht herum, teilnahmslos, störend, von seinen Geschwistern fast umgebracht. Meine Rolle als Gus in “Arkadien” ist ein bisschen ähnlich angelegt, wenn auch nicht ganz so krass. Gus ist einfach stumm und introvertiert, Epelepsie ist da schon noch ein anderes Kaliber.