please (OONA Projekt / Marisa Godoy)

Seit April bin ich im Gessnerallee Backstage-Programm dabei. Das ist eine Kombination aus wöchentlichem Theatertraining und gemeinsamen Vorstellungsbesuchen, durchgeführt von Golda Eppstein.

Heute war ich zum ersten Mal in einer regulären Gessnerallee-Aufführung, einer Tanzperformance mit dem Namen please des OONA-Projektes. Nun, ich bin bislang noch nicht so bewandert in der freien Tanz- und Theaterszene, aber durch das Backstage-Programm wird sich das sicherlich in absehbarer Zeit ändern.

Das Thema der Tanzaufführung war das grundlegende Bühnendilemma, was tut man da eigentlich, was erwarten die Leute, wie weit geht man. Denn im Grunde ist man ja nackt auf der Bühne, was die vier Darsteller dann auch gleich mal direkt umgesetzt haben. Sie erschienen mit einigen Koffern und Schachteln, nackt. Den Auftakt bildete eine wilde, tänzerische Aufbauszene zu Musik von Pink Panther, an deren Ende sie eine große Leinwand mit Projektor, eine Kamera und vier Stühle auf der vorher leeren Bühne installiert hatten. Danach kamen wechselnde Szenen, allesamt heischend nach Anerkennung. Durchsetzt war diese Abfolge von einigen sehr bekannten Video- und Musikeinlagen. Marilyn Monroe wurde als Musterbeispiel des Stars gezeigt, der allen gefallen möchte, aber innerlich zutiefst unglücklich ist. Sehenswert waren einige Synchronszenen und das immer wieder kommende Lauschen am Publikum, was es denn nun wolle. Am Ende spulte der Projektor das ganze Programm sehr schnell rückwärts durch, ging aber über den Anfang der Aufführung hinaus, zeigte Bühnenarbeiter bei den Vorbereitungen, das Ensemble beim Proben und Marisa Godoy beim nächtlichen Aufschreiben erster Ideen.

Ich fand es eine gelungene Umsetzung des Bühnendilemmas mit witzigen Ideen. Aber das Stück ging über das collagenhafte Aneinanderreihen von Klischees nicht hinaus, vielleicht hätten weniger Themen und weniger Fixierung auf die Videotechnik dem Ganzen besser getan.

Stückbesprechung in der NZZ