Improtheater = Theater light

Nach unserem ersten Auftritt als Improtheatergruppe (siehe Impromatch in Uster) möchte ich reflektieren, wie es sich angefühlt hat, auf der Bühne vor Publikum zu improvisieren und welche Art Spiel dadurch begünstigt wird.

Das Publikum honoriert Energie beim Spielen, witzige Ideen und wenn man sich geschickt aus einer Falle befreit. Und dies verlockt zum schnellen Hineingehen in Emotionen, zum clownesken Spiel. Wenn das Publikum einmal warm ist und an einigen Stellen laut lacht, wächst der Druck, dies zu wiederholen. Wenn das Publikum lange Zeit ruhig ist, kriegt man das Gefühl, dass die Szene langweilig sei und versucht mit brachialen Mitteln, diese zu beleben. Doch genau das ist gefährlich, mit Wutausbrüchen, plötzlichen Liebesbekundungen und Morddrohungen fesselt man die Aufmerksamkeit eben nur kurz. Nach einer solchen Einlage ist eine Steigerung meist nicht mehr möglich, die Szene gestorben.

Ich denke, dass zwei Fehleinschätzungen des Schauspielers für diesen Effekt verantwortlich sind. Zum Einen bemerkt man nur laute Äußerungen des Publikums, das grelle Scheinwerferlicht verhindert das Wahrnehmen von subtileren Bekundungen von Wohlgefallen. Es ist auch nicht ratsam, ständig ins Publikum hineinzuschielen, muss man sich doch gerade bei der Improvisation voll und ganz auf die Szene konzentrieren. So kann bei einer sehr bewegenden Szene, bei der alle gebannt mit offenen Mündern lauschen, bei den Schauspielern der Eindruck entstehen, sie käme nicht gut an. Die zweite Fehleinschätzung ist die, dass nur lustige, energetische Szenen vom Publikum gewollt seien. Es ist leichter, damit Beifall zu bekommen, aber damit verbaut man sich die Chance auf längere Szenen mit allmählicher Entwicklung und mitreißender Dramatik.

An dieser Stelle ein Beispiel vom letzten Mittwoch, Richard und ich standen beim Spiel Erster Satz, letzter Satz auf der Bühne. Unser Einstiegssatz war sinngemäß “Manchmal muss man die Regeln halt brechen.” Als Ort war ein Atomkraftwerk vorgegeben. Richard begann mit dem Satz und ging sehr schnell in die Rolle des Irren hinein, der das Kanton Aargau dem Erdboden gleichmachen wollte. Damit erntete er den ersten Lacher, aber ich musste recht krass reingehen, als dümmlicher, stammelnder Gehilfe. Damit wurde es eine Slapstick-Nummer, Richard überzeugte mich, dass wir das Aargau wirklich sprengen wollten, ich verwandelte mich sichtlich in einen Bösewicht. Das kam gut an, keine Frage, war aber eine clowneske Nummer mit wenig dramatischem Potenzial. Denn außer den Hebel umzulegen blieben nicht wirklich viele Alternativen, da wir nun beide böse und zerstörungswillig waren.

Als Fazit kann ich festhalten, dass Improtheater sehr lustig und unterhaltsam ist, jedoch aufgrund der Umstände selten sein dramatisches Potenzial voll entfalten kann. Schnell angespielte, schräge Charaktere kommen zusammen, eskalieren einen Konflikt und lösen ihn. Dafür braucht man nicht allzu viel Übung, ein gewisses Bühnentalent vorausgesetzt. Zum Anderen ist die Weiterentwicklung beim Impro auch schwierig, da außer gewissen Grundregeln nichts wirklich geübt werden kann. Denn die gleiche Szene wird in der Form nicht wieder auftreten, so dass eine intensive Beschäftigung damit wenig Sinn macht. Von daher ist Improtheater ideal für die Leute, die nicht genug Zeit und Motivation für eine Theaterproduktion haben oder nebenher noch ein wenig Bühnenerfahrung sammeln möchten.