Impromatch in Uster

Der erste öffentliche Auftritt unserer Improtheatergruppe im Freizeit- und Jugendzentrum Uster war ein voller Erfolg! Wir konnten uns in einem Impro-Match sogar knapp gegen die Gruppe Taramtamtam – den Lokalmatador – durchsetzen.

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Was ist Improvisationstheater?

Improvisationstheater (siehe Wikipedia-Eintrag) ist eine Theaterform, bei der vorher nicht einstudierte Szenen gespielt werden, meist nach Vorgaben aus dem Publikum. Es gibt diverse Spielformen, welche allesamt einschränkende Regeln hinzufügen, zum Beispiel dürfen nur Sätze mit zwei Worten gebildet werden oder eine Szene muss stumm gespielt werden. Beim Impromatch treten zwei Gruppen gegeneinander an, ein Moderator legt fest, welche Spiele gespielt werden und ob die Gruppen abwechselnd oder gemischt auftreten. Das Publikum darf nach jeder Szene abstimmen, welche Gruppe besser war, der Gesamtsieger ist dann die Gruppe mit mehr Punkten.

Persönliche Eindrücke vom Abend

Uster ist eine kleine Stadt im Speckgürtel Zürichs, sie liegt am Greifensee und damit im Nordosten der Limmatmetropole. Ich war bislang nur einmal dort, im Dienste der Wissenschaft besorgte ich zwei Linearlager bei der Firma Bachofen. An deren Gebäude fuhr die S-Bahn vorbei, die mich nach Uster brachte. Nicht weit entfernt vom Bahnhof fand ich dann den Freizeit- und Jugendtreff, ein modernes, zweistöckiges Gebäude an der vielbefahrenen Züricher Straße. Im Erdgeschoss waren meine Improkollegen und die lokalen Leute dann auch schon dabei, im großen Mehrzweckraum mit Bühne, Scheinwerfern und Bar alles für unseren Auftritt vorzubereiten.

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Ich hatte ein mulmiges Gefühl an diesem Tag, am Vorabend hatten wir geprobt – sofern man beim Improvisationstheater von Proben sprechen kann – und es war so richtig grottenschlecht gelaufen. Keine Energie, die Szenen schleppten sich so dahin, es fehlte alles, was Improtheater eigentlich spannend und unterhaltsam macht. In dieser Form, da war ich mir ganz sicher, würde uns das andere Team von der Bühne fegen, die Zuschauer würden eventuell höflich klatschen, wenn nicht sogar durch Buhrufe ihrem Unmut Ausdruck verleihen.

Da wir schon zwei Stunden vor Beginn da waren, hatten wir noch ausreichend Zeit unsere Gegner zu beschnuppern. Im Gegensatz zu unserer reinen Männertruppe mit drei Deutschen und einem Schweizer war Taramtamtam ein ausschließlich Schweizer Team mit drei Frauen. Die Sympathie des zum Großteil lokalen Schweizer Publikums war uns also auch nicht unbedingt sicher.

Aufwärmen

Ich wurde langsam nervös, wollte mich so aufwärmen, wie ich es von unserer letzten Theaterproduktion gewöhnt war, also erst den Körper aufwärmen, dann die Stimme mit Sprachübungen und zuletzt im Kreis stehen und mit einem Abschlussritual die Götter der Bühne gnädig stimmen. Mir ist eine gute Aufwärmung sehr wichtig, denn nur mit einem lockeren Körper und einer aufgewärmten Stimme kann man auf der Bühne ausreichend laut reden und sich gut bewegen. Es ist auch eine Verantwortung dem Publikum gegenüber, welches sonst das Gesprochene nicht so gut versteht.

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Später kam dann die Moderatorin des Abends, Amrei. Es war auch ihr erster Auftritt in dieser Funktion. Mit ihr besprachen wir vorher, welche Spiele in Frage kämen und wie sie sich den Ablauf vorstelle. Eine Liste mit möglichen Spielen hatten beide Mannschaften vorher erhalten. Damit war alles klar und wir wärmten uns gemeinsam auf. Endlich! Ein bisschen rumlaufen, ein paar andere Bewegungen, dann noch ein Improvisationsspiel zum Aufwärmen und Reinkommen. Da nun auch die ersten Gäste eintrafen, zogen wir uns in einen separaten Raum zurück. Noch dreißig Minuten. Ich wurde recht nervös, rannte noch ein wenig durch den Raum und machte noch Sprachübungen für mich. Denn die waren etwas kurz gekommen für meinen Geschmack.

Auf der Bühne

Um 20:00 ging es dann los, der Raum war mit fünfzig Leuten gut gefüllt und Amrei bat uns auf die Bühne. Jedes Team wurde mit Beifall empfangen, dann setzten wir uns auf die Stühle und harrten der Dinge, die da kommen würden.

Es begann mit Stop and Go, also zwei Leute beginnen eine Szene und alle anderen können jederzeit durch Klatschen unterbrechen. In diesem Fallen versteinern die beiden auf der Bühne, der Klatschende ersetzt einen der beiden und nimmt genau seine Haltung ein. Dann setzt er die Szene ganz anders fort, er lässt sich lediglich durch die eingefrorene Konstellation inspirieren. Das ist ein Klassiker unter den Improspielen und war auch mehr zum Gewöhnen an die Bühne und das Publikum gedacht. Danach folgte das Alphabetspiel. In einer Zweierszene beginnt jeder Satz mit dem jeweils nächsten Buchstaben im Alphabet, angefangen wird mit einem willkürlichen Buchstaben. Schwierig wird das bei X, Y und C, aber wir schafften das ganze Alphabet mit unserer Darbietung zum Fenchel. Als nächstes folgte Sitzen, Stehen, Liegen. Drei Leute auf der Bühne spielen eine Szene und jeweils einer muss sitzen, stehen und liegen. Sobald einer die Haltung wechselt, muss ein anderer einspringen. Unsere Vorgabe war Simbabwe.

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Die Pyramide ist eine Spielform mit vielen Leuten. Es beginnt einer mit einem Monolog, dann kommt ein zweiter dazu und fängt eine neue Szene an. So geht das immer weiter, wir hatten am Ende sechs Leute auf der Bühne. Der zuletzt Hinzugekommene geht als erster. Nun müssen die Leute zu der Szene zurück wechseln, welche sie zu fünft gespielt hatten. Der Fünfte geht als Nächster und so geht es weiter, bis der Erste wieder allein auf der Bühne steht und seinen Monolog fortsetzt.

Beim Zettelspiel werden auf der Bühne vorher vom Publikum beschriebene Zettel verteilt, die beiden Protagonisten müssen nun gelegentlich einen Zettel aufnehmen und in ihr Spiel einbauen. Das mir vorher unbekannte Spiel Drei Tote Reden lässt drei Leute abwechselnd erzählen, wie sie gemeinsam zu Tode kamen. Vorgegeben waren bei uns die Berufe Hebamme, Elefantenpfleger und Fahrscheinkontrolleur bei den Zürcher Verkehrsbetrieben. Dementsprechend kam es zur Tragödie, als Tierpfleger und Hebamme eine hochschwangere Elefantendame mit der Straßenbahn ins Elefantenkrankenhaus transportierten und von einem Kontrolleur gestört wurden. Beim Spiel Erster Satz, Letzter Satz sind Anfangs- und/oder Schlusssatz der Szene vorgegeben. Mit Richard spielte ich eine sehr lustige Szene im Kernkraftwerk.

Wie so oft gab es am Ende einen Gleichstand, ein abschließendes Spiel musste die Entscheidung bringen. Alle waren auf der Bühne und mussten abwechselnd eine Geschichte erzählen. Sobald einer den Anschluss nicht hinkriegte oder sich verhaspelte, flog er raus. Nachdem unser Markus als Sieger feststand, durfte er mit allen noch ein Lied singen. Nachdem ihm der Text ausging, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und sang über das Violettgestreifte Nichts. Ein schöner Abschluss.