Patrick Süskind: Der Kontrabass (vorgetragen von Hubert Kronlachner)

Es war die 599. Aufführung des “Kontrabass”, vorgetragen von Hubert Kronlachner, heute folgt die 600. und vorerst letzte. Der Mann ist 86 und vermag es immer noch, das ausverkaufte Pfauen mit seiner Stimme zu füllen und das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Natürlich merkt man das Alter, er läuft bedächtig und man nimmt ihm seine Kontrabass-Karrierevisionen mit Schuberts Forellenquintett nicht mehr so recht ab, aber angesichts des Alters kann man sich nur verneigen und inständig hoffen, dass man selbst in diesem Alter noch am Leben und einigermaßen fit sein möge, ganz zu schweigen von Bühnentauglichkeit.

Aber dieses Stück hat mir auch vor Augen geführt, dass selbst die alten Profis nicht vor dem allgemeinen Dilemma des Schauspielens verschont bleiben: einen fremden Text so vorzutragen, als wäre er der eigene. Dies ist bei einem anderthalbstündigen Monolog natürlich noch schwieriger als im sonst gängigen Wechselspiel verschiedener Charaktere auf der Bühne. Aber der Kontrabass ist ein Einmannstück, kein Bühnenpartner erlaubt einem, eine Beziehung auf der Bühne herzustellen. Aber andererseits hat man auch Zeit, seine Gedanken zu entwickeln und man muss sich alle Gedanken des Stückes zu eigen machen, die Bilder sehen, nach Worten suchen, um dann beim fremden Text zu landen, der zugleich Ausgangspunkt war für das Erarbeiten der inneren Bilder. Oft hatte ich bei Kronlachner den Eindruch, dass er den Text herunter rattert, dass es nicht seine eigenen Worte sind sondern fremde. Aber es sei ihm mit 86 gestattet und hat den Genuss nicht geschmälert.