2009 – Dissertation und Stanislawski

Ein neues Jahr hat begonnen und fällt zusammen mit den kurzen Ferien, welche der Jahreswechsel so mit sich bringt. Ich habe auf einmal Zeit für viele Dinge, für Familie, Freunde und auch für mich. War das letzte Jahr geprägt durch sehr viele verschiedene Aktivitäten und Hobbies, möchte ich mich nunmehr konzentrieren, beruflich auf das Schreiben der Dissertation, privat auf das Schauspielen.

Shadow on the field

Mit dem Verfassen der Dissertation endet auch meine Zeit als Doktorand. Vier Jahre münden in 100 Seiten. Das Verfassen der Diss ist eine logische Weiterentwicklung von der Diplomarbeit mit einem vorgegebenen eingegrenzten Thema, über Konferenzartikel von zwei bis sechs Seiten und umfangreichere Artikel für wissenschaftliche Zeitschriften. Stets steigen die Komplexität und Selbstverantwortung für das Geschriebene. Somit wäre die Dissertation der vorläufige Höhepunkt meines beruflichen, also wissenschaftlichen Schaffens. Und wie so oft ist das Schwierige nicht der Inhalt, in meinem Fall vier Studien mit virtuellen Umgebungen, sondern der Rahmen und die großen Schlussfolgerungen aus allem. In diesem Werk führe ich Begriffe ein, erarbeite eine Fragestellung und nutze all dies konsequent im Hauptteil, um die Experimente zu beschreiben und auszuwerten. Es ist eine Herausforderung, ich freue und fürchte mich zugleich. Denn ich muss mich gleichsam einschließen und nur darauf konzentrieren, was angesichts all der netten Ablenkungen in Form von kleineren Aufgaben sich schwierig gestalten dürfte.

Theater ist schon seit Längerem mein Hobby. Ich stand schon oft auf der Bühne, sehe mich aber noch nicht da, wo ich gern hin möchte. Mein Problem ist das Gekünstelte, Übertriebene, Clowneske, welches ich auf der Bühne entwickle. Mein Ideal ist eine realistische und glaubhafte Darstellung der Rolle. Und davon bin ich noch weit entfernt. Für die jetzt laufende akitiv-Produktion Arkadien möchte ich mich intensiver und bewusster mit dem Schauspiel beschäftigen. Neben der Theatergruppe akitiv bin ich noch in einer Improtheatergruppe dabei. Wenngleich sich Improtheater und die Produktion eines festen Stückes unterscheiden, ist das Kernelement des authentischen Darstellens doch gleich. Während man sich beim festgelegten Stück die inneren Bilder und Aufgaben aus dem Stücktext erarbeitet, vertraut das Improtheater auf die Magie des “ersten Mal”, da sich keine Szene wiederholt. Jedenfalls werde ich mich jetzt intensiver mit Theatertheorie beschäftigen, zur Zeit lese ich ausgewählte Texte von Stanislawski. Mit diesem Hintergrundwissen und ausreichend Zeit für Rollenarbeit hoffe ich mein schauspielerisches Potenzial besser zu nutzen.