Teekultur

Im September besuchte ich in Hongkong das Flagstaff House Museum of Tea Ware (Teemuseum). Obwohl ich schon seit vielen Jahren bekennender Teetrinker bin, gab es viel Neues zu entdecken. Der absolute Höhepunkt war dann aber ein Video zur Teezubereitung. Der Protagonist mit dem bezeichnenden Namen Dr. Song hatte seine besten Kleider angelegt und alle Utensilien bereit gelegt. Er benutzte eine sehr kleine Kanne, in welche er die kompletten Teeblätter hinein gab. Den ersten Aufguss mit wenig Wasser schüttete er weg, beim zweiten machte er die Kanne richtig voll und übergoss sie sogar mit dem heißen Wasser. Dann hielt er inne, stellte das Wassergefäß mit einer meditativen Geste zurück und wartete eine Weile. Sodann goss er den Tee in die bereitstehenden Teeschalen und kostete das fertige Produkt, wie man es von einem Weinkenner kennt. Aber welche Hingabe bei der Zubereitung, welche Sorgfalt und Muße!

Hier in der Schweiz muss man Blatt-Tee regelrecht suchen, ganz unten im Teeregal finden sich zwei oder drei Sorten Schwarztee und eventuell eine Sorte Grüntee. Ansonsten nur Teebeutel mit den feingemahlenen Überresten der Teeauslese, die schnell mit heißem Wasser übergossen ich nicht Tee nennen möchte, vielleicht eher teeähnliches Heißgetränk. Die Schweiz und auch Deutschland brauchen eine Teekultur! Mit diesem Beitrag möchte ich den Grundstein legen.

Kaffee oder Tee, das ist hier die Frage

Sowohl Kaffee wie auch Tee enthalten Koffein. Der Mechanismus der Freisetzung dieses anregenden Stoffes unterscheidet sich aber grundlegend: Während beim Genuss von Kaffee, Schwarztee und Cola das Koffein auf einen Schlag an den Körper abgegeben wird, geschieht das beim grünen Tee langsamer, da das Koffein gebunden ist.

Teesorten

Es gibt wesentlich mehr Teesorten als die bekannten schwarzen und grünen Varianten. Weißer Tee ist so ähnlich wie grüner, gelben Tee sucht man hier in Europa vergebens, Oolong-Tee ist teilweise fermentiert und Pu’er-Tee ist gereift und noch dunkler als schwarzer Tee.

Qualität

Die Qualität eines Tees erkennt man vor allem am Preis. Sie richtet sich nach der Ernte (First Flush, Second Flush), den Blättern (am besten sind die zarten Knospen ganz oben, die heißen Flowery Orange Pekoe) und weiteren Faktoren. Für Teebeutel verwendet man alles, was man nicht anders verkaufen kann, den Teestaub (Dust).

Zubereitung

Die im deutschen Sprachraum übliche Zubereitungsart ist die englische. Dabei wird der Tee mit dem heißen Wasser übergossen und nach einer Weile wieder entfernt. Das kann durch ein Tee-Ei, den Teebeutel oder das Abgießen durch ein Sieb geschehen. Der Tee wird auch nicht mehrfach verwendet. In China gibt es eine völlig andere Kultur. Der erste Aufguss mit wenig Wasser wird weggekippt, um die Teeblätter zu waschen und bei grünem Tee den bitteren Geschmack weg zu bekommen. Danach kann man mehrfach aufgießen, der Teegeschmack verändert sich dann auch mit jedem Aufguss. In Russland und im Orient gibt es noch andere Arten der Teezubereitung.

Fazit

Trinkt mehr Tee, vor allem grünen und weißen!