Exkursion zum Gotthard-Basistunnel

Um mich herum stehen orange gekleidete Leute mit orangen Helmen und Schutzbrillen. Ansonsten ist da nur dunkles Alpgestein, abgesehen von einigen vergleichsweise kleinen Röhren, eine nach oben, die andere horizontal. Es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm hier unten, aber dafür ist es ganzjährig warm. Dennoch, es ist kein schöner Ort, zum Glück fahren die Züge dann später mit mehr als 200 km/h vorbei ohne anzuhalten. Zürich-Mailand in 2 h 40 min, dafür lohnt es schon, 18 Jahre zu bohren und zu sprengen, etliche Milliarden Franken auszugeben und dann – wenn nicht die Japaner schneller sind – den mit 57 km längsten Eisenbahntunnel der Welt zu haben. Es ist ein ambitioniertes Projekt, an dem wohl Alfred Escher seine wahre Freude gehabt hätte.

Unser ebenfalls ganz in Orange gekleideter und behelmter Führer hat seinen Vorsatz, hochdeutsch zu sprechen, inzwischen vergessen und erklärt im breiten Bündner Dialekt, wie hier das Gestein abtransportiert wird, alles muss mit dem Aufzug nach oben. Um Bauzeit zu sparen, hat man in der Mitte der Strecke bei Sedrun einen senkrechten Tunnel ins Innere der Alpen gebohrt, von dessen tiefstem Punkt sprengt man sich seither unaufhaltsam in beide Richtungen. Auf jeden Fall ist er begeistert, das Projekt sei gut für die Region. Auch für die Porta Alpina versucht er uns zu erwärmen, jenen unterirdischen Bahnhof 800 Meter unterhalb von Sedrun.

In den Baracken legen wir unsere orange Besucherkluft wieder ab und verwandeln uns in ETH-Mittelbauer zurück. So schnell nach Mailand fahren wäre schön, aber bis 2017 müssen wir uns noch gedulden.