Non Italiano

Liebe Konferenz-Organisatoren,

Ich möchte mich zuallererst für die geleistete Arbeit bei der Organisation der Konferenz Virtual Rehabilitation 2007 bedanken. Es hat am Ende irgendwie doch alles geklappt, was mich angesichts der Vorbereitungsphase stark überrascht hat. Deshalb hier einige konstruktiv gemeinte Kritik aus der Sicht eines Wahlschweizers deutschen Ursprungs.

Zuerst möchte ich mich gern zur Konferenzsprache äußern. Ich dachte, dass es sich zwischenzeitlich auch bis nach Italien herumgesprochen haben sollte, dass zur Zeit Englisch die Wissenschaftssprache ist. Das mag überraschend sein, war es doch vor lediglich 2000 Jahren Latein, vor 200 Jahren Französisch und vor 100 Jahren mit Einschränkungen Deutsch. Aber zur Zeit ist es Englisch, und auch ein Land mit einer solch stolzen Vergangenheit wie Italien sollte dies bei der Gestaltung des Fremdsprachenunterrichts berücksichtigen. Jedenfalls fand ich es irritierend, dass speziell die Eröffnung der Konferenz in Italienisch geschah, übrigens in Abwesenheit der Simultanübersetzerin, so dass für einen Großteil der internationalen Gäste diese Ansprachen völlig unverständlich waren. Vielleicht hätten die Organisatoren das auch im Programm kennzeichnen sollen, dann hätte ich mich darauf einstellen und die Zeit anderweitig sinnvoller verbringen können.

Conference Tent

Noch ein Wort zu den Gastrednern, die in sogenannten Lectures recht allgemein angesiedelte Themen wie die Rolle von Technologie in der Rehabilitation erörterten. Es waren allesamt ältere Herren, die meisten wohlbeleibt und nicht unmittelbar mit einem wissenschaftlichen Hintergrund. Auf Italienisch und überwiegend mit schlecht gestalteten Folien verstanden sie es, recht lange Zeitabschnitte mit Gemeinplätzen zu füllen. Sicherlich, Technologie ist zunehmend wichtig für die Rehabilitation, aber alle müssen miteinander reden, und Italien spielt da natürlich eine führende Rolle. Zumindest bei diesen Vorträgen war die Übersetzerin anwesend, aber ich hatte wirklich Mitleid mit ihr, musste sie doch diese langatmigen und nichtssagenden Redeschwälle übersetzen.

Weiterhin wollte ich noch auf einige Ungereimtheiten während der Vorbereitungszeit hinweisen. Die Firma, welche mit der Organisation beauftragt war, hatte dankenswerterweise ein Internet-Formular zur Bezahlung der Konferenzgebühr (130 EUR für Doktoranden) mit Kreditkarte aufgeschalten. Seltsamerweise verwandelte sich die Währung dann bei der eigentlichen Bezahlung in US Dollar, ohne dass man dies noch hätte ändern können. Ich bezahlte also 130$, was bei der derzeitigen Stärke des Euro einem geringeren Betrag entspricht. Erst ein direkter Anruf in Rom im Büro der Kongressfirma konnte diesen Missstand beheben, von selbst hätten sie da nichts gemacht. Bei der Konferenz kam heraus, dass dieses Problem so ziemlich alle Teilnehmer betraf, also kein Schweiz-spezifisches Problem darstellt. Überhaupt lief die gesamte Organisation über Greg Burdea, der als wissenschaftlicher Cheforganisator nicht nur beträchtliche Arbeit bei der Entgegennahme und Begutachtung der eingereichten wissenschaftlichen Beiträge leistete, sondern eben auch noch mit vielen weiteren, nichtwissenschaftlichen Organisationsproblemen eingedeckt war, da Emails von den Mitarbeitern der Firma grundsätzlich nicht beantwortet wurden. Insgesamt entstand für mich der Eindruck, dass die organisierende Firma sich entweder mit diesem Kongress weit übernommen hat oder nicht sehr professionell arbeitet. Oder beides.

Damit hoffe ich, einen kleinen Eindruck von den Misslichkeiten bei Konferenzbesuchen vermittelt zu haben, möchte jedoch unbedingt vermeiden, ein zu negatives Bild zu vermitteln. Denn abgesehen von diesen kleinen Ärgernissen hatte ich durch die Bekanntschaft mit anderen jungen Teilnehmern sehr lustige und angenehme Tage.

In diesem Sinne: Good bye, and thanks for all the fish!