Cortona, Nachgedanken

Nach einer intensiven Woche in Cortona habe ich bis zur Abfahrt des Busses noch etwas Zeit, meine Gedanken zu ordnen und einige Ausschnitte zu präsentieren. Es gab hier jeden Tag den gleichen Ablauf, welcher sich grob an Konferenzen orientiert, jedoch mit ganz anderen Schwerpunkten.

7:00 Parallel: Tai-Ji, Morgensingen, Tanzen, Meditation
8:15 Gemeinsames Frühstück im Speisesaal
9:15 Alle zusammen: erster Vortrag
11:00 Alle zusammen: zweiter Vortrag
13:00 Mittagessen
15:00 Parallel: Kreativitäts-Workshops (ich wählte Impro-Theater)
17:00 Parallel: Selbsterfahrungs-Workshops (ich wählte Trommeln)
19:00 Parallel: spezielle Vorträge
20:00 Abendessen

Aus den vielen Vorträgen möchte ich nun einige herausgreifen, welche mein Interesse besonders geweckt haben.

Hotel Oasi

Der Ort des Geschehens – Hotel Oasi

Das Glaubensbekenntnis

Bruder David stellte den Text (Apostolisches Glaubensbekenntnis) vor und interpretierte ihn als Eingangstür zu einem universellen Glauben. Das ist ungewöhnlich, drückt das Glaubensbekenntnis doch genau das speziell Katholische am Glauben aus. Es geht um Gott, Jesus und den heiligen Geist. Aber mit einem kritischen, historisch-theologischen Blick auf genau diesen recht schwierigen Text konnte Bruder David jede dieser kritischen Bestandteile erklären und deuten. Für mich war das sehr spannend, da ich mich vom Glauben in einer Zeit abgewendet habe, als noch das kindliche, wörtliche Glauben im Vordergrund stand.

Kunst und Komplexität

Der Komplexitätswissenschaftler John Casti stellte die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Komplexität eines Kunstwerkes und seiner Qualität gäbe. Er meinte dann auch schon am Beginn, dass er sich mit den drei Begriffen komplex, gut und Kunst in ein Minenfeld begeben hätte, da jeder diese anders verstehe. Sein im privaten Rahmen durchgeführtes Experiment bestand dann darin, Bilder durch ein Computerprogramm zu erstellen, dessen Code-Länge (Zeichenanzahl) ein Maß für die Komplexität des Bildes sei. Er ließ nun drei solcher Bilder von vielen Leuten nach Gefallen und subjektiver Komplexität beurteilen, was zu ersten Ergebnissen führte. Jedoch ist die Verallgemeinerung fraglich. Die Meisterwerke der Kunst sind eben nicht nur durch ihr reines Aussehen (semantische Komplexität) zu solchen geworden, sondern auch durch Bezug auf Zeitgeschichte, Weiterentwicklung von Strömungen, etc.