PowerPoint-Stil und sprachliche Komplexität

Der Einsatz des besagten Programms ist Standard bei Vorträgen. Und die Vorteile liegen auf der Hand, das Gesagte soll unterstützt werden, dem gestressten Zuhörer Orientierung und Untermalung geboten werden. Doch der erfolgreiche Einsatz von Folien will gelernt sein. Auf keinen Fall zu komplex, schön visuell, plakativ und mit Aufzählungen muss arbeiten, wer das moderne Äquivalent eines Sokrates, Perikles oder Cicero sein möchte.

Jedoch hat der sich aus den Möglichkeiten von PowerPoint entwickelnde Kommunikationsstil auch seine Nachteile. Insbesondere die Aufzählungspunkte (bullet points) tragen wenig zum besseren Verständnis bei, stattdessen werden komplexe Zusammenhänge fragmentiert und diese einzelnen Bestandteile ohne Sinn für den Zusammenhang hingeworfen. Cliff Atkinson beschreibt dieses Phänomen eindrücklich in seinem englischen Beitrag Bullet Points Kill (Effective Communication).

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet die ZEIT die Auswirkungen von PowerPoint und Anglizismen – die bedrohte deutsche Sprache bildet den Feuilleton-Schwerpunkt in der aktuellen Ausgabe (Sprachkultur). Die Auswirkung des PowerPoint-Sprachstils wird ironisch durch eine “Übersetzung” der Gefallenenrede des Perikles gezeigt. Im Artikel ist schon mal die Struktur der Rede mit den typischen Wingdings-Händchen abgebildet (hier mal mit normalen, HTML-typischen Strukturierungspunkten).

  • REALISIERUNG VON BASIS-ZIELEN
    • Ehre bezeugen
    • Vorfahren gedenken
    • Message gut für die Zuhörer
  • CORPORATE IDENTITY & MORALISCHE ASSETS
    • Verfassung self-made
    • Bürgertum ist cool
    • Vertrauen in eigenen Mut
    • Liebe des Schönen
    • Schule von Hellas
  • EXZELLENZ UNSERER HEROES
    • Im edlen Kampf für die Firma gefallen
    • Gefordert: Höhere Leistung der Überlebenden
    • Eltern (»Best-Ager«) trösten
  • AGENDA & PROBLEMLÖSUNGEN
    • Output/Geburtenrate maximieren
    • Ehrliebe promovieren
    • Konkurrenz wird tougher: Marktanteile steigern
  • IMMEDIATES AKTIONSPROGRAMM
    • Die Loser (»Toten«) loben
    • Tugend der Frauen highlighten
    • Klageruf initiieren
    • Nach Hause gehen

Was bleibt? Wo ist die Botschaft, welche man mit nach Hause nehmen könnte? Es ist ein Bekenntnis zur Komplexität, welche durch komplexe sprachliche Mittel – sei dies nun im Englischen oder Deutschen – ausgedrückt werden kann. Ein selbstkritischer Aufruf zu guten Präsentationen darf nicht fehlen, mit weniger Aufzählungen und mehr illustrativen, integrierenden Elementen, ohne jedoch die Komplexität des Gesagten über Gebühr einzuschränken. Und zuallerletzt möchte auch ich als sonst eher Microsoft-kritischer Computernutzer noch feststellen, dass es nicht am Programm liegt, welches nur ein – im übrigen recht ausgereiftes – Werkzeug darstellt.