Peter Handke: Kali

Ein paar Gedanken zum Buch, inspiriert durch die Kritik im Deutschlandfunk, durch eine Sendung im DLF wurde ich auch auf das Werk aufmerksam.

Die erste Frage wäre die nach Assiziationen zum Titel, Kali. Kalium-Salz ist eine Mischung verschiedener kaliumhaltiger Salzverbindungen, Hauptverarbeitung erfolgt zu Dünger. In der Geschichte ist der weiße Salzberg das Ziel der Reise der Protagonistin, symbolhaft steht das Salz für Reichtum (Arbeitsplätze, Geruchlosigkeit) und Zerstörung (Gemälde in der Kirche leiden, gerötete Augen) zugleich. Die hinduistische “schwarze” Göttin Kali von Tod und Zerstörung zielt eher auf die weibliche Hauptfigur ab. Sängerin und Verführerin der Massen, bringt sie Tod all denen, die sich mit ihr einlassen. Aber Kali ist auch eine philippinische Kampfsportart, bei welcher die Abwehr von Angriffen mit Stock und Messer im Vordergrund steht. Dieses Motiv wird durch den Vorwinterwind im Buch aufgegriffen, welcher die tödliche Gefahr abwendet. Schon der Titel ist vieldeutig, und dieses Vage, Unbestimmte zieht sich durchs ganze Buch.

Eine Schlüsselstelle ist die, wo eine Pfarrerin gegen die Gleichgültigkeit wettert, mit der heute Böses geschieht. Die Stelle ist deshalb wichtig, weil da viel von Handke selbst mitschwingt, dem enttäuschten 68er. Von dieser Resignation ist ein großer Teil des Buches betroffen, unausweichlich nähert sich die Protagonistin dem weißen Salzberg und damit ihrem Tod. Denn so hat sie es einmal ausgesprochen, also muss es auch so geschehen. Doch es kommt anders, die Rettung vor diesem tristen Ende weht in Form des Vorwinterwindes heran, der vom Salzherrn gehört und verstanden wird. Dementsprechend ist das Ende des Buches dann hoffnungsvoll, die Welt wird gerettet, das vermisste Kind von der Frau gefunden, ein Fest gefeiert mit allem, was dazu gehört.