Unterwegs

Es ist viel geschehen. Ich war an mehreren Orten. Verteilt über die westliche Welt lagen sie, nirgendwo blieb ich lange. Dieses Gefühl, unterwegs zu sein, ließ mich für Wochen nicht los, immer war ich am Packen für die nächste Reise. Einpacken, auspacken. Die Bilder sausen durch meinen Kopf, vermischen sich.

Eine kalte Nacht war das. Und keinesfalls geeignet für den Globetrotter-Jubiläums-Schlafsack. Und noch dazu hat es geregnet, in einem fort. Irgendwie hatte ich mir wild zelten immer anders vorgestellt. Denn die Gefahr, hier draußen in den Bergen entdeckt zu werden, hielt sich wirklich in Grenzen. Vielleicht war dieses Verbot eine Vorsichtsmaßnahme, durchaus sinnvoll, um Leute davon abzuhalten, zu erfrieren? Jedenfalls schlotterte ich so vor mich hin in dieser Nacht da draußen in den Bergen im Zelt und meinem Jubiläums-Schlafsack. Es war kein Wasser, was wir am nächsten Tag von den Planen schüttelten, sondern Eis. Gefrorener Regen im März. Ähnlich kalt wie in Blacksburg, wo ich aber nur zwei alte Bekannte besuchte, nachdem ich vorher in Charlotte gewesen war. Charlotte im südlichen North Carolina mit Sonnenschein und blauem Himmel, Urlaubsstimmung, wenn nicht die Konferenz gewesen wäre mit ihren Sessions und diesen ganzen Wissenschaftlern.

Pferde, wilde Pferde sollte es geben. Dass eine Hochebene wirklich so eben ist, so gestaltlos und voller gleich aussehender Bäume und Wege und Bäume und Steine, hätte ich nicht gedacht. Warum gibt es nicht wenigstens eine kleine Neigung, eine kleine Senke in dieser Einöde? Dennoch finde ich es malerisch, Bäume und Wege und Bäume und Blumen. Toll, diese Regenhosen sind wirklich dicht. Man kann stundenlang durch Regen laufen damit. Also toll ist es nicht gerade, Regenhosen machen sich immer am besten im Rucksack, so für den Fall der Fälle. Doch dann bricht der Himmel auf für kurze Zeit, wir sind in der Nähe des Sees und sehen Pferde, wilde Pferde. Sie sind scheu und fliehen recht schnell. Nur zwei haben keine Angst, wir kommen ganz nah ran, auf weniger als einen Meter.

Wandern. Einen Fuß vor den anderen setzen. Immer weiter. Der Weg ist beschrieben im Buch, aber recht diffus. Wir sind meist zu ungeduldig, nehmen den erstbesten Weg, laufen durch Gestrüpp, kämpfen uns mühsam hindurch. Abenteuerlich, ein schönes Wort für Orientierungsverlust. Aber wir kommen immer an, durchwaten kalte Gebirgsströme barfuß, biegen ab, umrunden Felsköpfe, nehmen alte Köhlerwege und fragen uns, warum die Köhler einen so beschwerlichen Arbeitsweg hatten. Aber der Köhlerweg führt hinunter, mündet schließlich in einen größeren Weg, der uns zurück bringt zum Auto.

Fahren mit maximal 80 km/h. Denn wir haben einen Reifen eingebüßt, ein Nagel steckte drinnen, so dass wir jetzt mit dem Notrad unterwegs sind. Mit 80 bin ich quasi ein Verkehrshindernis. Die Sardinier rasen, kennen jede Kurve, fahren wenige Meter hinter mir, warten auf eine Gelegenheit vorbeizukommen. Es wird schon gut gehen.

Das Schönste: Ich war heute Abend einfach nur zu Hause, habe in meiner Wohnung Abendessen gehabt. Ich bin wieder da, zu Hause.