Rollenprofil Joseph Surface

Ich spiele in unserem diesjährigen Theaterstück (Die Lästerschule von Richard Brinsley Sheridan) die Rolle des Joseph Surface. Er ist der negative Held des Stückes, intrigant und heuchlerisch. Es ist ohne Zweifel die spannendste Rolle des Stücks, diese Doppelbödigkeit umzusetzen bedeutet eine schauspielerische Herausforderung. Ich möchte mich diesem Charakter ein wenig nähern, der primär als Gegenspieler zum netten Charles konzipiert wurde.

Verhältnis zu anderen Charakteren

Charles Surface Gegenspieler von Joseph. Joseph mag ihn nicht, weil die von ihm aus finanziellen Gründen verehrte Maria Charles lieber mag. Ist aber kein persönliches Gefühl, einfach ein Hindernis bei seinen Plänen, das es zu überwinden gilt.
Lady Sneerwell Komplizin im Komplotte-Schmieden. Gemeinsame Interessen und ähnlich zweifelhafte Methoden vereinen die beiden. Er schmeichelt ihr, um sie bei Laune zu halten. Am Ende ist sie ihm zuwider, nur die gemeinsame missliche Lage zwingt ihn zur weiteren Kooperation.
Sir Peter Teazle Vormund, auch von Maria, deshalb wichtiger Mann, bei dem es einen guten Eindruck zu hinterlassen gilt.
Lady Teazle Er will sie verführen, weil ihn das reizt. Vorgeblich, um sie besser zu kontrollieren, aber ein wenig Gefühl ist da wohl doch im Spiel. Sicherlich reizt ihn auch die Gefahr dieser Situation.
Maria Angestrebte Geldheirat. Deshalb versucht er sie zu beeindrucken und schleimt, wo es geht.
Sir Oliver Er trifft ihn als mittellosen und um Geld bittenden Mr. Stanley. Diesem bedeutet er höflich, aber bestimmt, dass es nichts zu holen gibt. Somit arrogante Einstellung gegenüber diesem.

Zusammenfassend lässt sich eine typische Radfahrer-Mentalität ausmachen, nach oben buckeln und nach unten treten. Für ihn existieren nur zwei Klassen von Menschen, die ihm Nützlichen und den Rest, um den man sich nicht weiter zu kümmern braucht.

Charakter

Durch die vielfältigen Intrigen muss er auch recht geistesgegenwärtig sein, um blitzschnell umschalten zu können. Insofern paart sich Intelligenz mit Machstreben und Opportunismus. Für ihn ist das Leben ein gefährliches Spiel mit hohem Einsatz, bei dem er meistens gewinnt. Die beiden Pole sind das Geschliffene, gesellschaftlich Geschickte auf der einen Seite, und das Raubtierhafte, Egoistische, Intrigante auf der anderen Seite.

Vorbilder

Ich denke vor allem an Franz Moor in Schiller’s Die Räuber. Im Dresdner Schauspielhaus erlebte ich eine Aufführung, bei der in einem Vorspiel der dämonische Charakter von Franz Moor gezeigt wurde. Er verwandelte sich, hinkte, krümmte sich zusammen zu einer missgestalteten, arglistigen Erscheinung.

Ebenso denke ich natürlich an die Dresdner Inszenierung des Romans Mephisto, welcher an das Leben von Gustav Gründgens angelehnt ist. Und dieser ist ja durch die Mephistopheles-Rolle im Faust berühmt geworden. Ich sehe den Dresdner Darsteller noch vor mir, wie er einem tumben Nazi, welcher den Schüler spielt, als Mephisto umtanzt und an die Wand spielt. Diese schneidende Stimme, die schnellen, präzisen Bewegungen, diese Präsenz – so stellt man sich das personifizierte Böse vor.