gotthard-basistunnel

Momentan beträgt die Zugreisezeit von Zürich nach Mailand reichlich vier Stunden. Haupthindernis auf dem Weg nach Süden sind die Alpen, welche durch den momentan schon vorhandenen Gotthard-Tunnel teilweise durchquert werden können. Dieser liegt aber recht hoch, weshalb an alle Züge zusätzliche Lokomotiven angedockt werden müssen, welche die starke Steigung bewältigen können. Ein zeitaufwändiges Verfahren, noch dazu verringert es auch die möglichen Reisegeschwindigkeiten. Deshalb also die Idee, einen Basistunnel weit unten zu bauen. Mit dem kommt man dann in ungefähr zwei Stunden von Zürich nach Mailand. Zusätzlich erhoffen sich die Erbauer auch eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, um die Nord-Süd-Autobahnen zu entlasten.

Noch ein paar Zahlen zur Dimension des Alptransit-Projektes. Mit 57 Kilometern wird der weltlängste Tunnel entstehen (momentan hält noch der Ärmelkanal-Tunnel den Rekord). Baukosten sind etwas mehr als 8 Milliarden Franken (reichlich 5 Milliarden Euro), Planungs- und Bauzeit 25 Jahre. Inbetriebnahme wird erst 2016 sein, so dass die schnelle Verbindung nach Mailand noch etwas auf sich warten lässt.

Mit modischer Schutzkleidung sahen wir uns im Berginneren den Fortgang der Bauarbeiten an.

Organisiert von der AVETH, fand letzten Freitag eine Exkursion zur Baustelle in Sedrun statt. Dort entsteht 800 Meter unter dem Boden eine von zwei Multifunktionsstellen, also wo die Züge das Gleis wechseln und die Passagiere notfalls aussteigen können. Wir waren jedoch nicht an der eigentlichen Baustelle unten, sondern einen Kilometer im Berg drinnen, von dort geht dann der Aufzug 800 Meter runter und transportiert Arbeiter, Abraum, Geräte und vieles andere hoch und runter. Anschließend besuchten wir noch eine Ausstellung zum Projekt, wo Streckenverlauf, Zeitersparnis und die Vorteile eines Sedruner Zwischenbahnhofes (Porta Alpina) ausführlich dargestellt wurden.

Alles in allem ein schöner Ausflug raus aus dem Zürcher Nebel. Wenn auch das Ausstellungszentrum etwas propagandistisch geprägt war (Gegenstimmen fehlten), fand ich das Ganze doch als tolles Beispiel für idealistisch geprägte Verkehrspolitik. Statt Autobahnen auszubauen, wird die Bahnverbindung wesentlich schneller und damit attraktiver gemacht. Ob dann jedoch tatsächlich eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene eintrifft, kann man bezweifeln.