Wissenschaftliches Schreiben

Der Stil wissenschaftlicher Publikationen ist ein ganz besonderer. Ich selbst, also der Forschende, trete in dieser Darstellungsform in den Hintergrund. Stattdessen werden die wissenschaftlichen Resultate und Erkenntnisse zum Subjekt und sprechen für sich. Deshalb besteht das Schreiben wissenschaftlicher Texte in einer fortwährenden Abstraktion von subjektivem Wissen. Ich weiß, was bei einem Experiment herausgekommen ist, kenne den Aufbau und auch die Schwierigkeiten. Forschung ist – subjektiv betrachtet – ein Irrweg, auf den man sich nach Vorgabe einer groben Richtung macht. Der Vergleich mit einem Dschungel liegt nahe. Sobald man nicht mehr weiter kommt, versucht man die schwierige Stelle seitwärts zu umgehen. Leicht verliert man orgendwann die Orientierung und kommt vom ursprünglich anvisierten Ziel ab.

In einem völlig anderen Licht stellen nun Publikationen diesen wissenschaftlichen Weg dar. Einführung, Zielstellung, Methoden, Resultate, Diskussion, Ausblick. Eine klare Sache. Kein Platz für Irrwege, fehlgeschlagene Versuche und Ausprobieren. Alles scheint durchdacht und geplant. Aus dem Dschungel wird ein Schlosspark mit breitem Hauptweg, plätschernden Springbrunnen und kugelförig gestutzten Bäumchen. In diesem Bild ist also wissenschaftliches Schreiben eine Gärtnersarbeit, um den Blick auf das Wesentliche freizugeben.

Die Wissenschaft ist eine wunderbare Sache, wenn man nicht seinen Lebensunterhalt damit verdienen muss.

Albert Einstein