akitiv – Theaterstücke für nächstes Jahr

Für nächstes Jahr Juni ist wieder ein Theaterstück der Theatergruppe akitiv geplant. Welches genau wird sich am nächsten Mittwoch entscheiden. Momentan haben wir vier Kandidaten.

Moliere: Der Menschenfeind (Übersetzung von H.-M. Enzensberger)

Das Stück spielt ursprünglich am Pariser Hof, wo Höflinge und Minister um Einfluss und Macht buhlen. Die Etikette bestimmt das tägliche Leben, sie diktiert unbedingte Höflichkeit allen gegenüber, man will es sich ja mit niemandem verscherzen. Davon angewidert ist Alceste, der für Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit einsteht. So kritisiert er ein Gedicht des einflussreichen Oronte, der ihm daraufhin das Leben schwer macht. Alceste ist jedoch eigentlich in Celimene verliebt, die unangefochtene Königin der Gesellschaft. Sie flirtet mit allen und zieht auch sehr gekonnt über Leute her. Aus dieser Kosntellation entwickelt sich dann ein Konflikt, sie mag sich nicht festlegen, er will sie überzeugen, diesem falschen Leben den Rücken zu kehren und mit ihm zu kommen.

Toll an diesem Stück ist vor allem die Sprache. Enzensberger verlegte das Stück nach Bonn und in die Gegenwart. Er behielt die gereimte Form bei, so hat seine Fassung exakt so viele Zeilen wie das Original. Aber seine Übersetzung ist sehr frei, eine inhaltlich angelehnte Neufassung. Problematisch für unsere nun recht große Gruppe ist die begrenzte Anzahl an Rollen. Es gibt hauptsächlich fünf Männer- und drei Frauenrollen.

Max Frisch: Don Juan oder die Liebe zur Geometrie

Frisch bearbeitete den klassischen Don Juan-Stoff, in seiner Fassung erleben wir den jungen Don Juan, der am Tag seiner Hochzeit beinahe widerwillig zu dem bekannten Mythos wird. Später inszeniert er als älterer Mann seine eigene Höllenfahrt, die letzte Szene sieht ihn als Ehemann und eingesperrt, da die Welt ihn für tot hält.

Schön ist, dass es recht viele Rollen gibt, problematisch deren Verteilung. Die Titelrolle ist schon recht groß und am Ende des ersten Abschnitts (Jugend Don Juans) ist eine Großzahl der Akteure tot.

Richard Sheridan: Die Lästerschule

Diese alte englische Komödie dreht sich um ein ungleiches Brüderpaar, die von ihrem aus Indien heimkehrenden Onkel im Rahmen einiger Verwechslungen auf die Probe gestellt und belohnt/entlarvt werden. Nebenschauplatz ist eine Salongesellschaft, die sich im Lästern übt und in der einige Protagonisten verkehren.

Jean-Paul Sartre: Die Fliegen

Das Schwergewicht unter den zur Auswahl stehenden Stücken greift den antiken Orest-Stoff auf. Fünfzehn Jahre nach der Ermordung seines Vaters Agamemnon durch dessen Frau Klytämnestra und deren Liebhaber Ägist kehrt Orest in seine Heimatstadt zurück. Er trifft seine Schwester Elektra, die im Palast niedrige Dienste verrichten muss und seine Mutter Klytämnestra. Die Stadt durchlebt gerade den Jahrestag der Ermordung Agamemnons, der neue König Ägist zelebriert die Reue anhand eines religiösen Rituals. Die Toten kehren für einen Tag aus dem Hades zurück und leben an der Seite der Bürger. Erst will Orest sich nicht einmischen, bald wächst in ihm jedoch der Wunsch nach Vergeltung der Untat. Schließlich bringt er seine Mutter und Ägist um und flieht mit seiner Schwester in einen Tempel. In der Nacht werden die beiden von Erynnien geplagt, Elektra zerbricht. Orest fühlt sich als freier Mann, tritt schließlich vor die Bürger und verlässt die Stadt, wobei er die Fliegen mitnimmt.

Das Stück ist sowohl politisch motiviert (Aufruf zum gewalttätigen Widerstand gegen das Vichy-Regime währen des Zweiten Weltkrieges) als auch durch Sartres Existenzialismus. Freiheit und der Umgang mit eigenen Fehltaten stehen im Mittelpunkt des Stückes.