Oscar Wilde – Bunbury

Die altbekannte gesellschaftskritische Komödie The Importance of Being Earnest (deutsch: Bunbury) feierte gestern im Pfauen Premiere. Der Regisseur Werner Düggelin inszenierte Wildes Glanzstück schlicht, britisch-steif und sehr unterhaltsam. Und weil nunmal Premiere war, durfte am Ende auch der Regisseur nebst zwei Assistenten auf die Bühne und sich beklatschen lassen. Dabei wurde sogar noch ein Buch beworben, das über diesen Regisseur geschrieben wurde.

Es ist eins meiner Lieblingsstücke, es knüpfen sich eine Reihe von Erinnerungen daran. So schnupperte ich in der 12. Klasse erstmals als Algernon Bühnenluft, als Abschlussstück des Englisch-Leistungskurses spielten wir genau dieses Stück in der Aula der Manos. Wir teilten die Rollen auf, ich erhielt zwei Anteile an der Algernon-Rolle. Es war schön, diese witzige Figur zu spielen, diesen nur sein Vergnügen ernst nehmenden charmanten Querulanten. Der Wortwitz des Stückes sprengte alles, was ich bisher kannte, ein schöner Abschluss des chaotischen Bonk-Leistungskurses.

Einige Jahre später las ich mit einigen Freunden die deutsche Fassung, Rahmen war ein mehrtägiger Aufenthalt an der Ostsee über Sylvester. Witzig und prekär zugleich war die Aufteilung der Rollen, so manövrierte ich mich in eine etwas seltsame Situation hinein. Aber irgendwie passte es zu meiner damaligen Einstellung, dass das Leben in erster Linie ein groteskes Spiel sei. Das Stück war gleichsam eine Kulmination dieses Empfindens, es war in mancher Hinsicht sogar realer als das normale Leben. Nun ja, das lässt sich jetzt schwer beschreiben, aber vielleicht genügen diese Andeutungen, um die besondere Rolle des Stücks für mich klarzumachen.