Antal Szerb – Reise im Mondlicht

Heute hatten wir dann das Treffen. Es macht einfach Spaß, so ein Buch nochmal Revue passieren zu lassen und viele Anspielungen, welche man selbst einfach nicht verstanden hat, von den anderen erklärt zu bekommen. Leider werden Mimi und Mascha sich von der Organisation zurückziehen, sie hatten den Zirkel vor einiger Zeit gegründet. Doch wir machen weiter, nächstes Treffen ist am 22. Juni, wir besprechen Kassandra von der ostdeutschen Schriftstellerin Christa Wolf.

Die Gestalt Mihaly machte uns allen wenig Freude. Passiv und von fremden Mächten gesteuert irrt er durchs Leben. Interessant ist, dass er in jungen Jahren diese seltsam bedrohlichen Strudel sieht, welche ihm immer wieder Angst machen. Von Tamas wird er nun also einmal befreit, als ihm wieder einer dieser Strudel ganz nahe kam. Jedoch verkörpert der weltfremde Tamas eigentlich auch wieder so einen Strudel. Ihm versucht er nachzueifern, erst bei dem versuchten Selbstmord mit Drogen, ganz am Ende mit dem geplanten imitierten Selbstmord mit Evas Hilfe. Er macht so eine schwache Figur, getrieben von fremden Mächten pendelt er durchs Leben.

Eine Stärke des Buches auf jeden Fall die farbigen Portraits von Janos, dem Schlitzohr, Ervin, dem zum katholischen Mönch werdenden Juden, Zoltan als geschäftstüchtiger gütiger Spießer oder Eva, der mysteriösen Jugendliebe, die nie so recht Gestalt annehmen will. Viele weitere ließen sich finden, welche von Szerb eindrucksvoll charakterisiert wurden.