Strauhof Zürich – Anna Blume trifft Zuckmayr

Die aktuelle Ausstellung des Strauhof Zürich befasst sich mit Tondokumenten von Dichterstimmen. Da es das noch nicht so lange gibt (technisch bedingt), war die zeitliche Dimension schon mal auf die vergangenen reichlich 100 Jahre beschränkt. Inhaltlich wurden deutschsprachige Autoren genommen, aus Deutschland, Österreich und natürlich der Schweiz. Die Aufteilung des Materials auf Räume wurde nach dem Kontext vorgenommen, so gab es Gespräche, Lesungen, Reden, Darstellungen (bis hin zum Poetry Slam), Rundfunk/TV und andere Kategorien.

Das Schöne für mich war, dass ich viele “Bekannte” wiedersah und neue Verbindungen herstellen konnte. Unvergesslich Paul Celans Todesfuge, vorgetragen vom Autor selbst mit sehr starker Betonung, leider unüblich für Lesungen.

  • Ulrike Meinhof las 1967 einen Artikel zu den Studentenunruhen, journalistisch-literarisch,
  • Heinrich Böll nahm in einem Telefoninterview 1977 Stellung zu der Durchsuchung der Wohnung seines Sohnes durch 40 Beamte eines Sondereinsatzkommandos (ein Denunziant hatte seinen Sohn belastet, Böll wurde geistige Nähe zu den Terroristen vorgeworfen),
  • Christa Wolf spricht 1989 in Berlin zu den Demonstranten,
  • Peter Handtke beleidigt sein Publikum (die Publikumsbeschimpfung habe ich 2004 zum Geburtstag mit einigen Freunden aufgeführt),
  • Thomas Mann spricht 1944 per Radio zu den Deutschen, er legt dar, dass der Krieg lediglich nach Deutschland zurück kehre, die Bombardierung seiner Heimatstadt Lübeck rechtfertigt er mit Coventry,
  • Ernst Jandl spielt mit Sprache,
  • Joachim Ringelnatz sächselt,
  • Friedrich Dürrenmatt äußert sich kritisch über die Schweiz (die Einwohner seien zugleich Gefangene, Wärter und frei),
  • Max Frisch beobachtet Neger (damals durfte er das noch so sagen) in New York und greift die Ungleichbehandlung an,

Ansonsten waren der Gestaltung vor allem technische Schranken auferlegt. Da in einigen Kabinen Filme liefen, musste alles gut gedämpft sein, um die Stimmen der Dichter wirken zu lassen. Dementsprechend kam weißes Polystyrol und ähnliches Dämpfmaterial zum Einsatz. Die Ästhetik der eingezogenen Wände hielt sich deshalb etwas in Grenzen, aber im Vordergrund standen ja die Stimmen.