Lindy Hop

Dynamo, ein Jugendhaus am Ufer der Limmat. Die Wegbeschreibung war einfach: Vom Hauptbahnhof am Landesmuseum vorbei, durch den Park, über die Brücke, bis dir der Duft von gerauchten Kräutern in die Nase steigt. Das Jugendhaus offenbart sich dann als mehrstöckiges Gebäude mit Werkstätten, einem Fotolabor, Konzertraum mit Bühne, Restaurant, Ateliers für Grafik und Kunst und dem süßlichen Duft von gerauchten Kräutern. Die Wände sind mit Grafittis beschmiert, aber die Toiletten einwandfrei, wie auch die Böden.

Tanzdach, ein lichter Raum mit großen Fenstern und Dachbalken. Die Sonne scheint und lässt Parallelogramme auf dem grauen Fußboden viel heller erscheinen. Deutlich sieht man die Spuren von vergangenen Tänzen, gebogene Linien von Drehungen, Punkte, Kratzer. Zwei Tage Tanzkurs, Swing steht auf dem Programm. Genauer gesagt die Version Lindy Hop. Kratzer werden wir aber dem Fußboden nicht hinzufügen, es herrscht Straßenschuhverbot, so dass wir in Socken die lustigen Bewegungen einstudieren.

“Foif! – Sechs! – Sieben! – Acht! – Rock Step! – Circle! – Swing Out! – Swing In!”

Susie tanzt vor, ihre Stimme und Vortanzen treiben uns. Sie kann das, tanzt das seit einigen Jahren. Am zweiten Tag ist sie etwas müde, sie war in Bern tanzen bis spät in die Nacht, spricht von einer Tanzsucht, die ihre Opfer fordert.

Die Musik ist toll, Swing in verschiedenen Geschwindigkeiten erklingt aus den riesigen Lautsprechern. Ich kenne die Namen nicht, aber es kommt mir doch alles merkwürdig vertraut vor. Auch schöne Klaviermusik ist dabei, jazzig. Der Rhythmus natürlich schön betont und gleichmäßig, sonst kämen wir verunsicherten Anfänger ja noch leichter aus dem Konzept. Ich finde es schon schwierig, die Eins zu erkennen, also den betonten Anfang eines jeden Taktes. Und dann halt immer neue Figuren und Kombinationen, aber es geht schon, man gewöhnt sich auch an sehr seltsam anmutende Dinge.

Charleston. Es sieht toll aus, wie Susie das tanzt. Man hüpft und dreht die Füße ständig, spielerisch sieht das aus. Für mich ist es ein riesiges Koordinationsproblem. Man muss gleichzeitig (1.) die Fußspitzen nach innen und außen drehen, (2.) auf den Fußballen bleiben, (3.) jeden zweiten Takt abwechselnd ein Bein in die Luft schwingen und (4.) abwechselnd mit dem linken und dem rechten Bein vor oder hinter das andere gehen. Gelegentlich war ich da auch schon drin in dieser rasanten Abfolge von Hüpf- und Fußdrehbewegungen, aber allzu leicht kam ich heraus oder fand mich unkoordiniert rumhüpfend wieder.