kulturfestival 150, jury

Am Freitag hatte ich beim Kulturfestival meinen großen Auftritt, ich las den “Kontrabass” von Patrick Süskind. Mittlerweile bereite ich mich nicht mehr groß darauf vor, ich lese einfach los. Die Lesungen unterschieden sich lediglich geringfügig in der meist sehr spontanen Auswahl der Passagen. Und in der Umsetzung der vielen Regieanweisungen, diesmal hatte ich sogar einen Techniker, welcher für mich die Musik und Klangeffekte einspielte. In dieser Hinsicht war das schon ein Fortschritt. Leider kamen recht wenige Leute, es war dann eine recht überschaubare Runde.

Die Organisatorin, Mimi, fragte mich dann noch, ob ich nicht Lust darauf hätte, in der Jury mitzuwirken. Dieses erlauchte Gremium liest alle literarischen Beiträge durch und ermittelt einen Sieger. Und so kam ich also unverhofft in die Position, über den Gewinner mitzueinscheiden. Wir hatten ungefähr 15 Texte, die meisten waren Prosa, der kleinere Teil Lyrik. Die beiden Themen, an denen sich orientiert werden sollte, waren Ecken und Kanten und Anfang. Und wir waren uns dann – überraschenderweise – relativ schnell einig, welche Beiträge wirklich ansprechend und gut waren und welche nicht. Der Sieger stand schnell fest, nur bei den Platzierungen gab es etwas mehr Ungewissheit.

Aber im Grunde fiel unsere Entscheidung recht emotional, die Texte, welche am packendsten waren, am originellsten, waren unsere Favoriten. Ich frage mich, ob nicht letztendlich alle Entscheidungen so gefällt werden. Aus dem Bauch heraus, ohne das Anlegen akribischer Bewertungsmaßstäbe, wie ich mir das immer vorgestellt hatte. Wieder eine Illussion, welche den Bach herunterging, ich sehe noch dieses "Eine unabhängige Jury entschied sich nach reiflicher Überlegung für Kandidat F." vor mir…

Wobei ich das nicht in Frage stellen möchte, im Grunde bin ich überzeugt, dass wir die besten Texte gefunden haben. Und so werden sie morgen verkündet, die Sieger.