geschriebenes

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Ich möchte mal etwas fiktiv werden. Weil es mehr Raum lässt und damit ich nicht verlerne rumzuspinnen…

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Lichter. Da hinten müssen sie sein. Vor einer Weile noch sah er sie von einer Anhöhe aus. Nur noch dies eine Tal, dann hat er’s geschafft. Ist in der großen Stadt.

Es ist dunkel im Wald, kaum sieht er den Weg, der sich entlang eines Bächleins schlängelt. Er läuft, die Richung ist eindeutig, der Bach hat kaum Biegungen, oder nur ganz wenige, die sich ausgleichen. Vielleicht läuft er immer so weiter, an diesem dunklen, murmelnden Bach entlang. Bach ist ohnehin ein seltsames Wort, klingt so trocken am Ende, fast bedrohlich. Ein Fabeltier in der Einbildung eines alten Volkes könnte so heißen, BACH. Ein Viech, von dem man sich nur eine Silhouette vorstellen kann, denn nahe ist ihm noch niemand gekommen. Und wenn, dann kamen er oder sie einfach nicht zurück. Ja, auch Frauen werden gelegentlich das Opfer von unheimlichen Fabelwesen mit zischender Aussprache, die ihren Ursprung im Bach haben. Wasser ist ohenhin der Ursprung allen Lebens.

Und der Ursprung alles Schönen, wie zum Beispiel in der Musik, wo auch ein Bach eine Rolle spielt. Diesmal nicht unheimlich und drohend, sondern eher mit Wohlwollen ausgesprochen. Mit einer leichten Spur von Ehrfurcht vor dem Geordneten, der Ahnung der musikalischen Zusammenhänge. Vielleicht hat er, also der, der jetzt denkt, schon mal Klavier gespielt und noch dazu ein Stück von Bach. Dieses Übungsstück beispielsweise, eigentlich einfach nur Akkorde in einer bestimmten Reihenfolge. Aber schon in diesem Stück ist so viel enthalten, Akkorde, Bassläufe, Steigerungen, Harmonie – was man sich vorstellen kann. Gerade in diesem einfachen liegt das Geniale, mit ein paar Akkordvariationen ein geniales Stück scheiben.

Jetzt ist er gestolpert. Er war zu sehr vertieft in alle möglichen Gedanken. Gedanken, die eigentlich meine sind, die ich ihm aber jetzt gebe, damit du sie lesen kannst. Diese Figuren denken viel, Gednaken lassen sich auch leichter hinschreiben als Handlung. Bei Handlung muss man aufpassen, ob das so gehen kann, gewissen Gesetzmäßigkeiten muss man einfach gehorchen. So kann man nicht am Anfang eine Person sterben lassen, die man später nochmal braucht. Bei Gedanken ist das belanglos, man kann an jemanden denken, sich erst an seinen Tod erinnern, dann an seine Hochzeit und später an diesen einen Sommertag, den er mit den Großeltern in Potsdam verbrachte.

Der Bach murmelt immer noch, aber er, um den es jetzt gehen soll, zweifelt langsam, ob es die richtige Richtung ist. Leicht kann der Bach ihn täuschen, sich unmerlich zu einer Seite hin bewegen und ihn ab vom Weg bringen. Aber es ist dunkel, und einen Weg querfeldein jetzt zu suchen, macht wenig Sinn. Noch dazu gibt es kein Feld, sondern Wald. Bäume, mit denen man bei Dunkelheit leicht kollidieren kann. Er hat also keine Wahl. Laufen, immer weiter. Die Lichter hat er vergessen, sie kommen ihm unwirklich vor. Einbildung, Realität ist ein murmelnder Bach neben ihm und ein Weg, der sich immer schwerer erkennen lässt.

Und dann tritt er plötzlich heraus aus dem Wald auf eine Wiese. Aber die Lichter sieht er immer noch nicht. Er sieht nichts. Dunkelheit weiterhin. Der Bach ist auch nicht mehr da, er hat ihn rechts wegfließen lassen in einer offensichtlichen und ehrlichen Kurve, weg von seinem Ziel. Das Gras raschelt, er geht einfach drauflos. Plötzlich fühlt er den Wind. Es ist kalt. Er weiß nicht so recht, was ihm lieber wäre, der dunkel Wald oder die dunkle, aber offene Wiese mit dem kalten Wind.

Er geht weiter. Er wird die Lichter finden. Er braucht nur der Gravitation zu folgen, die ihn nach unten zur Stadt führen wird. Aber vielleicht ist es gar keine Stadt. Sondern ein Sumpf mit Irrlichtern. Auch dann braucht er nur der Gravitation zu folgen.