Harry Mulisch – Die Prozedur

Vom niederländischen Autor Harry Mulisch lese ich jetzt schon das dritte Buch, obwohl ich mit der Entdeckung des Himmels zugegebenermaßen noch nicht ganz durch bin. Im nun vor mir auf dem Schreibtisch liegenden Buch Die Prozedur fand ich gleich am Anfang ein paar faszinierende Gedanken, die das Besondere an Mulischs Stil hervorheben. Es ist vor allem die Art des Dialoges mit dem Leser, was Mulischs Stil auszeichnet. Wenn er ICH schreibt, meint er wirklich sich selbst. Die klassische Ich-Perspektive beschreibt er als verkrampft.

Hundert Jahre lang durfte eine Erzählung nicht einer Erzählung ähneln, sondern nur der sogenannten Wirklichkeit; während dieses Jahrhunderts musste folglich der Erzähler genauso unsichtbar sein wie der Zuhörer. Diese Vorschrift kam aus dem Mantel von Flaubert... Wenn der Erzähler »ich« sagte, dann durfte er damit nicht sich selbst meinen, ich musste jemand anders sein: der Erzähler, eine erzählende Figur. Das nannte man Realismus, aber das war es nun gerade nicht. Diese Verkrampftheit haben wir inzwischen hinter uns, denn eine Erzählung, so entdeckten die Erzähler, als sie sich wieder entspannt hatten, existiert schließlich doch nur auf eine einzige Weise, nämlich als Erzählung eines Erzählers. Ich selbst habe mir aus dieser Flaubertschen Tarnung nie etwas gemacht.

Für mich als Weblog-Schreiber ist das ein spannender, wenn auch eigentlich nahe liegender Stil. Ich sehe mich auch weniger als Erzähler, sondern eher als Kommentator (gibt es dieses Wort?), der seinen Senf zu bestimmten Dingen gibt. Und dabei kann ich auch direkt dich als Leser ansprechen. Ich habe das auch schon gemacht, einige Weblog-Einträge sind ganz klar in diesem Stil der direkten Auseinandersetzung geschrieben. Folglich fühle ich mich bestätigt durch einen berühmten Autor.