Ein allerletzter Tag in Prag

Karlsbrücke

Eine Welle von Menschen schwappt von der Karlsbrücke in die Stadt hinein. Es war ein Strom, aber eine einfache Fußgängerampel verwandelt diesen Strom in eine gigantische Welle. Ich lasse mich einfach treiben. Die Welle verebbt, teilt sich auf, bleibt stehen. Ich wähle eine Gasse, die verlassen aussieht. In einem italienischen Restaurant finde ich mich wieder. Fast hätte ich zum tschechischen Kellner “Gracie” gesagt, der Italien-Urlaub ist noch frisch. Es ist so dunkel hier drin.

Schreiben

Meine Gedanken sind wirr. Es fehlt Struktur. Man kann das schlecht aufschreiben, schlecht Überschriften finden, es fehlt der rote Faden, es sind unzusammenhängende Fragmente. Aber das Schreiben richtet sich nach den Gedanken, nicht andersherum. Vielleicht ist dies Schreiben auch ein Gesprächsersatz, da ich allein hier sitze. Eine Wand, die mir Schutz gibt, während ich darauf warte, dass das Essen kommt. Ich versuche mich von außen zu sehen, wie ich da sitze, konzentriert schaue, und schreibe. Wahrscheinlich wie einer dieser Touristen, die minutiös verzeichnen, welche Gebäude sie wann besucht haben, und was es zum Mittag gab.