Auszug aus: Zen in der Kunst des Bogenschießens

Das genannte Buch lese ich gerade, da mich Meditation im Allgemeinen und Zen im Speziellen schon ein Weilchen interessieren. Das Buch handelt von einem deutschen Wissenschaftler, der in Japan die Kunst des Bogenschießens erlernen möchte. Dies gestaltet sich als langer Weg, bei dem auch viele Dinge des Zen zur Sprache kommen. Schon allein das Spannen des Bogens zu erlernen, dauert ein Jahr. Doch der nächste Schritt ist noch schwieriger, es geht darum, den Schuss zu lösen. An dieser Stelle ist die rechte Geisteshaltung entscheidend, weshalb es um Meditation geht.

Nur dass man atme, weiß und fühlt man noch. Von diesem Gefühl und Wissen sich loszulösen, ist kein frischer Entschluss nötig, denn ganz von selbst verlangsamt sich die Atmung, wird im Verbrauch von Atem immer sparsamer und entzieht zuletzt, in gleitenden Übergängen sich verwischend und eintönig geworden, der Aufmerksamkeit jeglichen Halt. Dieser schöne Zustand des unbetroffenen Insichweilens ist fürs erste leider nicht von Dauer. Er droht von innen her zerstört zu werden. Wie aus dem Nichts entspringend, tauchen unversehens Stimmungen, Gefühle, Wünsche, Sorgen, ja sogar Gedanken in sinnloser Mischung auf, und je entlegener und befremdender sie sind und je weniger sie mit dem zu tun haben, wofür man die Bewusstheit aufs Spiel setzt, um so hartnäckiger hängen sie sich ein. Es ist, wie wenn sie sich dafür rächen wollten, dass die Konzentration Bereiche anrührt, die sie sonst nicht erreicht. Allein auch hier gelingt es, diese Störung dadurch unwirksam zu machen, dass man, ruhig und unbekümmert fortatmend, sich mit dem, was zum Vorschein kommt, freundlich einlässt, sich daran gewöhnt, ihm gleichmütig zuzusehen lernt und des Zusehens endlich müde wird. So gelangt man allmählich in einen Zustand, der dem gelösten Hindämmern unmittelbar vor dem Einschlafen gleicht.