Diplomverteidigung

Dies ist der dritte Entwurf für einen Artikel zum Thema Diplom. Angesprochen sind Studenten der Elektrotechnik, aber auch die Mitarbeiter der Fakultät. Bitte sagt doch mal eure Meinung dazu, ob das so stimmig ist.

Ich stehe in diesem Raum und sehe so viele gespannte Gesichter. Es ist ein besonderer Moment, schließlich verteidigt man sein Diplom nicht alle Tage. Ich bin müde, habe in der letzten Nacht kaum geschlafen. Auf dem Tisch liegt die Arbeit, 100 Seiten sind es geworden. Ich beginne den Vortrag.

Begonnen hatte dies alles im September letzten Jahres. Ich war auf der Suche nach einem Diplomthema. An der Uni schaute ich mich um, einige Lehrstühle hatten Themen auf die Homepage gestellt, bei den anderen half das direkte Gespräch. Insgesamt vier Themen standen zur Wahl. Warum ich mich nun genau für dieses eine entschied, ist mir nicht mehr ganz klar, denn alle waren spannend. Ich hatte mit einigen Leuten geredet und nach und nach festigte sich mein Entschluss. Ortsauflösende Infrarot-Bewegungsmelder sollten es sein.

Ein halbes Jahr habe ich mich damit beschäftigt. Dieses halbe Jahr, komprimiert auf 100 Seiten, liegt da vorn auf dem Tisch. Der Vortrag ist eine weitere Komprimierung, 20 Minuten und ein paar Fragen. Aus vielen Stunden von Versuchen und Auswertungen pellt sich ein Graph heraus, steht da für eine halbe Minute und verschwindet. Macht Platz für den nächsten, und so fort. Eine Abfolge von Essenzen, verständlich erklärt, damit auch die Nicht-Techniker im Raum folgen können. Es wirkt nun alles so einfach.

Die 100 Seiten liegen immer noch da. Vor einer Weile hat der Professor darin geblättert, auch mein Betreuer warf einen Blick hinein. Ihre Bewertung steht fest, ich kenne sie bloß noch nicht.

Am Anfang der Diplomarbeit stand die Literaturrecherche. Den ersten Monat verbrachte ich nur damit. Wühlte mich durch Fachzeitschriften, suchte in Datenbanken. Lernte Subito kennen, gegen ein geringes Entgelt werden Fachartikel als PDF zugesendet. Am Ende hatte ich einen Ordner voller Fachartikel und einen Überblick, was es schon gab. Ein wenig ernüchternd war das schon, es gab da etliche Forschungsgruppen, die in dieser Richtung schon ausgiebig geforscht hatten. Und ich sollte jetzt also auf diesen riesigen Steinhaufen des Wissens irgendwo ein Plätzchen finden, um meinen kleinen Diplomarbeits-Stein da mit draufzupacken.

Die 100 Seiten sind mit LaTeX gesetzt. Kann ich echt empfehlen. Viele Ärgernisse sind mir erspart geblieben. Die einzige Überraschung war, dass nach Hinzufügen des Anhangs plötzlich Punkte hinter den Abschnittsnummerierungen auftauchten. Also ganz am Ende, wo laut Richtlinien des Instituts keine Punkte zu sein hatten. Das hat mich schon echt verblüfft, aber es stellte sich heraus, dass das durchaus beabsichtigt und dudenkonform war. Eine Lösung gab es dann auch, so dass jetzt keine Punkte mehr an den falschen Stellen stehen.

MATLAB half mir, die Daten auszuwerten. Am Ende hatte ich etliche Skripte, die ganz bestimmte Diagramme erstellten. Das war auch gut so, denn wenn man aus irgendwelchen Gründen alle Diagramme neuzeichnen muss, macht sich ein gewisser Automatisierungsgrad schon ganz gut.

Die Sorge um die Zukunft spielte für mich keine Rolle. Ich hatte mich schon nach der Hälfte umgeschaut und glücklicherweise lief gleich die erste Bewerbung erfolgreich. Also werde ich Anfang Juli an der ETH Zürich mit der Promotion beginnen.

Der Vortrag ist beendet, die Fragen beantwortet. Ich schüttele viele Hände und lächle dabei, stehe immer noch neben mir. Bin das wirklich ich?