Eine Amerikanische Party

Darauf habt ihr wahrscheinlich schon lange gewartet – die Beschreibung einer amerikanischen Party. In der Campus-Zeitung Collegiate Times findet man so einige Anzeigen dieser mystischen Bruder- und Schwesterschaften mit drei griechischen Buchstaben. Die Gesamtheit der Aktivitäten dieser Gruppierungen wird meist als Greek Life bezeichnet. Am Anfang hatte ich mir darunter schon etwas Anderes vorgestellt als Parties, aber die Organisation solcher steht bei vielen fraternities und sororities anscheinend im Vordergrund. In der westlichen Ecke des Campus erheben sich dann auch die Häuser, speziell für diese Vereinigungen errichtet und mit den jeweiligen griechischen Großbuchstaben versehen.

Heute war es die Bruderschaft Pi-Kappa-Alpha, welche freundlicherweise per Zeitungsannonce auf die Party hinwies. Also nichts wie hin. Unterwegs holte Reimund noch seine ecuadoranische Bekanntschaft Nathalie ab. Er machte uns miteinander bekannt. Sie ist klein, hat lange schwarze Haare und wunderbare große, dunkle Augen. Während Reimund sein Fahrrad stehen ließ und mit Nathalie per Bus fuhr, machten wir drei anderen uns per Rad auf den Weg. Schon von weitem erkannten wir anhand einer größeren Ansammlung Leute und eindeutiger Geräusche den Ort des Geschehens – eines jener oben beschriebenen Häuser.

Rechts von diesem Haus befand sich der Einlass, durch ein langes schwarzes Tuch konnten wir jedoch nichts dahinter erkennen. So muss es auch dem zivilen Polizeifahrzeug gegangen sein, das vor dem Haus parkte. Es war anhand der zwei uniformierten Beamten und dreier gigantischer Antennen auf dem Kofferraum unschwer zu erkennen. Man muss an dieser Stelle vielleicht noch mal hervorheben, dass in Bezug auf Alkohol in den USA zumindest offiziell viel striktere Regeln gelten als in Deutschland. Alkoholhaltige Getränke sind erst ab 21 Jahren zugänglich, weswegen man im Supermarkt oder am Eingang von Kneipen stets seine ID zücken muss.

So auch hier, ein paar ernsthaft dreinblickende Kerle mit schwarzen Shirts kontrollierten unsere Ausweise und brandmarkten uns mit einem Stempel. Die drei Dollar Eintrittsgeld ließen uns auf freie Getränke hoffen und in der Tat zirkulierten eine Menge Bierdosen. Die Quelle dieses kühlen Segens wollten wir natürlich ausfindig machen. Der erste Raum war zum Tanzen bestimmt, von rechts schepperten die Boxen in Disco-Lautstärke. Danach gab es eine Art Korridor, der sich nach links und rechts verzweigte. Überall Leute, aber so richtig voll war es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Dann saß da so ein Typ mit Hawaii-Hemd, der Ingmar partout nicht durchlassen wollte. Hier hatte nur eine ominöse Gruppe Privilegierter Zutritt. Woran er das erkannte, war mir absolut schleierhaft, aber egal. Jedenfalls ließ er uns nicht durch und wir blieben erst mal auf dem Trockenen. Rückzu traf ich noch jemand vom Volleyball, der mir dann auch gleich anbot, Bier zu besorgen. Ich nahm an und er kam dann auch einige Minuten später mit zwei Dosen zurück. Draußen wollten wir diese dann trinken, doch sofort kam einer vom Orga-Team und bat uns, wegen der Polizei vorsichtig zu sein. Selbst mit einem roten Plaste-Becher versehen sollten wir möglichst noch um die Ecke gehen. Und da war das schwarze Tuch noch dazwischen, das uns von neugierigen Blicken abschirmte.

Eine halbe Stunde später hatte sich das Terrain merklich gefüllt, die strikten Regeln hatten keinerlei Bedeutung mehr. Überall drängelten sich Leute durch. Bier wurde auch überall getrunken. Auffallend war die hohe Anzahl an weiblichen Personen, das war für uns E-Techniker schon ein berauschender Anblick. Nach einer Runde Tanzen (so nennt man ja dieses rhythmische, unkoordinierte Bewegen möglichst vieler Gliedmaßen mit dem Ziel, einen harmonischen Gesamteindruck zu erzeugen) brauchten wir wieder frische Luft. Zu diesem Zeitpunkt war es rammeldickevoll in dem Haus und davor, von außen strömten immer mehr Leute hinzu. Die Leute amüsierten sich auch alle, nur wir standen irgendwie neben den Dingen. Irgendwann reichte es uns dann auch, wir beschlossen, lieber noch eine Bar aufzusuchen.

Eine Viertelstunde Fahrrad später waren wir im Zentrum (downtown), am Hokie House. Diese dem Sport gewidmete Bar zeichnete sich durch Fernsehbildschirme (Baseball), Billardtische und laute Musik aus. Tische waren auch nicht frei, viele gab es davon ohnehin nicht. Stimmengewirr allerorten, Bier wurde aus großen Henkelgläsern geleert. So richtig unterhalten konnte man sich nicht. Ich war etwas frustriert, fühlte mich vom Regen in die Traufe befördert. Also ging ich, genoss die Heimfahrt in der lauen Nacht.

Es wird mir stets schleierhaft bleiben, wieso Menschen so viel Zeit mit derartigen Aktivitäten verbringen. Aber sicherlich gibt es noch alternative Möglichkeiten.