Darmstadt – Digitale Stadt

Heute besuchte ich einen Informationsabend der Grünen in Darmstadt, genauer gesagt des Arbeitskreises Digital. Thema war die digitale städtische Entwicklung, mit dabei war natürlich der Oberbürgermeister Jochen Partsch. Es war mein erster Kontakt mit Kommunalpolitik in meiner neuen Heimat.

Darmstadtium
Darmstadtium

Vor einigen Wochen gewann Darmstadt den Bitkom-Wettbewerb Digitale Stadt. Ausrichter war Bitkom, der Branchenverband der digitalen Wirtschaft mit mehr als 2500 größeren und kleineren Unernehmen. Das Ziel war es, eine Vorzeigestadt zu finden, wo die Bedingungen optimal sind zur Entwicklung moderner bürgernaher Dienstleistungen. Sicherlich spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle, wollen sich doch sicherlich alle Firmen gut positionieren als Anbieter von kommunaler Cloud-Infrastruktur.

Andererseits ist es gerade dieser wirtschaftliche Aspekt, der die Bedeutung des Wettbewerbs unterstreicht. Denn die Firmen investieren einiges und werden deshalb genau hinschauen, wer die Mittel erhält.

Für mich war die spannendste Frage, was sich denn nun konkret tut aufgrund dieser Initiative. Doch hier gab sich auch Partsch noch vage, derzeit würden zahlreiche Vorschläge geprüft von den Experten. Ein Blick auf die Wettbewerbsseite offenbart zumindest mal die Bausteine.

  1. Bildung (Digitales Klassenzimmer, Kollaborations-Techniken)
  2. Datenplattform (Rohdaten zur Forschung, Tauschbörsen, Kita-Plätze)
  3. Energie & Umwelt (Verbrauchssteuerung von Haushaltsgeräten, bedarfsgesteuerte Müllabfuhr)
  4. Gesellschaft (Bürgerbeteiligung, Nachbarschaftshilfe)
  5. Gesundheit (Videosprechstunde, E-Patientenakte, Telemedizin)
  6. Handel (bargeldlose Zahlung, Lieferkettenoptimierung)
  7. IT-Infrastruktur (Glasfaser, WLAN für alle)
  8. Sicherheit (Notfall-System, Cyber Resilience)
  9. Verkehr (geringere Wartezeiten, Optimierung des ÖPNV, Parkleitsystem, automatisierte Parkhäuser)
  10. Verwaltung (digitales Bürgeramt, zentrale Kita- und Schulanmeldung)

Das ist schon mal konkreter, wenn auch so umfassend, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das alles innerhalb von zwei Jahren umgesetzt wird.

Für mich als fahrradfahrenden IT-Angestellten wäre das Thema Verkehr absolut zentral. Ich frage mich, warum nicht mehr Leute ihr Auto verkaufen und andere Verkehrsmittel nutzen. Denn Parkplatzsuche ist extrem mühsam hier, und die vielen parkenden Autos belegen öffentlichen Raum. Wie viel schöner wäre eine verkehrsberuhigte Innenstadt mit Straßenbahnen, Fahrrädern und Platz zum Leben ohne Verkehrslärm. Ganz zu schweigen von Stickstoffdioxid, dessen Grenzwert auch in Darmstadt ständig überschritten wird (siehe Echo-Artikel).

Es sind einfach zu viele Autos, diese ein bisschen effizienter durch die Stadt zu schleusen hilft nicht wirklich. Aber vielleicht würden bei einem Parkleitsystem nicht so extrem viele Autofahrer hoffnungsvoll in den kleinen Parkplatz an der Schleiermacherstraße einbiegen, den ich von meinem Büro aus gut überblicken kann. Täglich spielen sich dort Dramen ab, Autos warten, dass jemand rausfährt, andere hupen, gelegentlich schreit jemand. Die Grenzen des Anstands sind schnell erreicht auf diesem kleinen Parkplatz mit seinen vielleicht zwölf Stellflächen. Schöner wären ein paar Bäume und Bänke zum Entspannen während der Mittagspause, wobei dazu noch eine Lärmschutzwand notwendig wäre.

Ansonsten fände ich es auch lobenswert, wenn die Stadt ihr Service-Angebot auf Vordermann bringt. Die Internetpräsenz des Bürgerbüros hat da sicher Potenzial, außerdem ist es eine Verschwendung von Lebenszeit, keine Termine vereinbaren zu können, sondern stattdessen mit einem Nummernzettel eine Stunde zu warten, bis man dran ist.

Jedenfalls bin ich gespannt, welche der zahlreichen Ideen sich umsetzen lassen. Die Diskussionskultur bei der Veranstaltung hat schon mal einen positiven Eindruck hinterlassen. Leider waren nur knapp 30 Teilnehmer in den Räumen des Hoffart-Theaters nicht weit von mir im Martinsviertel. Für mich war es schön zu sehen, wie nah Kommunalpolitik sein kann und wie einfach man da mitmachen kann.